Osaka – die etwas andere japanische Metropole

Mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen ist man von Tokio aus in knapp drei Stunden in Osaka, der nach Tokio und Yokohama drittgrößten Stadt in Japan. Schon beim Verlassen des Bahnhofes fällt direkt auf, dass Osaka mit immerhin auch knapp 2,7 Millionen Einwohnern sich deutlich von Tokyo und auch anderen Städte in Japan unterscheidet, und zwar nicht nur weil hier die Leute im Gegensatz zu Tokyo, wie bei uns in Europa auf der Rolltreppe rechts stehen und links gehen. Hier gehen die Menschen auch schon mal bei Rot über die Straße, in Tokio haben wir das nie gesehen. Die Einwohner von Osaka wirken selbst in den überfüllten Hot Spots lange nicht so gehetzt wie die Hauptstädter. Auch der Klamotten-Stil ist anders. Während Tokio eher businessmäßig daher kommt, dominiert in Osaka lässiges Outfit. Erfahrene Japanreisende sagten mir die geschäftigen Tokioter haben gute Manieren, die Einwohner von Osaka gute Laune. Und das ist wirklich überall zu beobachten, die Menschen in Osaka sind spontan, lebenslustig, angenehm weltoffen, ein wenig schräg und weit weniger traditionell als andere Städte im Land der aufgehenden Sonne. Das Leben hat hier einfach eine andere Geschwindigkeit als in Tokyo.

Leider ist aber die Verständigung etwas schwieriger als in Tokyo. Viele Restaurants haben keine übersetzen Karten und gute Englischkenntnisse sind im Vergleich zu Tokio oder Kyoto weniger verbreitet, aber viel besser als auf dem Land. Macht aber nichts, die Japaner sind freundlich, hilfsbereit und geduldig. Notfalls wird mit Zeichensprache oder Bildern kommuniziert. Und gerade die jungen Generationen sprechen meist gut Englisch, auch wenn sie sich, bescheiden wie sie sind, meist nicht so recht trauen.

Ansonsten gibt es hier selbstverständlich auch verglaste Bürotürme -sogar der höchste bewohnte Wolkenkratzer Japans-, bunte Unterhaltungsviertel, Kapsel- und Love-Hotels und riesige unterirdische Einkaufsstraßen stehen für Osaka, ebenso wie viele schöne Tempelanlagen und eine historische Burg, eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt und auch ihr Wahrzeichen.

Die Osaka Burg (Osaka-jo) stammt ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert, wurde im Lauf der Geschichte mehrfach dem Erdboden gleichgemacht, letztmalig im Zweiten Weltkrieg durch US-Bomben. Seit 1997 wiederaufgebaut, beherbergt sie ein Geschichtsmuseum und eine Aussichtsplattform in der 8.Etage.

In dem weitläufigen Park außerhalb der Festungsmauern blühen je nach Saison hunderte Kirsch-, Pflaumen- und Aprikosenbäume, die zur jeweiligen Blüte und auch zur Blätterfärbung im Herbst ein prachtvolles Bild abgeben und nicht nur die Touristen, sondern auch viele Einheimische anlocken.

Sehr alt und beeindruckend ist der Sumiyoshi Taisha, mit 1.800 Jahren einer der ältesten und wichtigsten Shinto-Schreine Japans. Die Anlage im Süden der Stadt ist eine Oase jenseits des Trubels, ihre 400 Jahre alte rote Steinbogenbrücke (Soribashi) gehört ebenfalls zu den meistfotografierten Motiven der Stadt. Nicht minder sehenswert: der im Jahr 593 gegründete buddhistische Shitennoji Tempel im Stadtbezirk Tennoji-ku mit fünfstöckiger Pagode. Er gilt als einer der ältesten Tempel in Japan. Dort in der Nähe gibt es auch inmitten von Hochhäusern einen kleinen Tempel mit einem buddhistischen Friedhof, der Shoman-in Aizen-do Tempel, ein recht verwunschenes Fleckchen inmitten der hektischen Großstadt.

Das moderne Osaka findet man in Dotonbori, Osakas grellbunter Fressmeile entlang des gleichnamigen Kanals, wo sich schnell mal das Gefühl der Reizüberflutung einstellt. Flimmernde Werbefilme auf Riesenbildschirmen, schreiende Lautsprecher, Spielhallen, Bars, Gerüche und Restaurants, die alles bieten, was die japanische Küche hergibt – vom gegrillten Fleischspieß bis zur frittierten Krabbe. Aber es gibt nicht nur schnelle Küche oder Street-Food in Osaka, nein auch sage und schreibe 99 Sterne-Restaurants.

Auch wer gerne shoppen geht, wird Osaka lieben. Shopping-Malls gibt es reichlich und in für Europäer ungewohnter Dimension, darunter die mit 2,6 Kilometern längste in Japan (Tenjinbashisuji Shopping Street) oder die 600 Meter lange überdachte Shinsaibashi-Arkaden. Auch die unterirdische Umeda Shopping Arcade mit 1.200 Geschäften, Restaurants und Imbissständen ist ein Muss.

In Umeda befindet sich auch das Umeda Sky Building mit einem Wahnsinns-360°-Walk, ein ringförmiger, teils im Freien oder hinter riesiger Panoramaverglasung liegender Rundgang in 173m Höhe im 40. Stock, welcher einen atemberaubenden 360° Ausblick auf Osaka bietet.

Auch nachts kommt Osaka nicht zur Ruhe. In vielen Stadteilen gibt es ein pulsierendes Nachtleben, ob in Dotonbori, America-mura, Shinsekai oder in Den-Den Town, auch Nipponbashi genannt, mit vielen urigen Bars und Restaurants, aber auch seinen populären Maid Cafes, in denen junge Kellnerinnen in Dienstmädchenuniform ‘schüchtern’ ,verspielt, aber jugendfrei, ihren Kunden servieren.

Überall kann man sich auch als Frau sicher fühlen und bedenkenlos alleine die Stadt erkunden, die auch dem ausländischen Besucher die Orientierung leicht macht. So liegt vieles nah beieinander und lässt sich sogar oft zu Fuß, oder aber über ein paar Metro-Stationen erreichen. Und mit dem Osaka Amazing Pass erhält man für 1 oder 2 Tage unlimitierten Transport (Bus & Metro) und vor allem freien Eintritt zu einer Vielzahl von Sehenswürdigkeiten. Ein Tagespass kann sich schon ab zwei der teureren Sehenswürdigkeiten lohnen.

Mir hat Osaka richtig gut gefallen und die Stadt hat einige touristische Highlights zu bieten, aber das Sehenswerteste ist die Stadt mit ihren Einwohnern selbst. Osaka vermittelt ein ganz anderes Lebensgefühl als andere japanische Städte und es gibt vieles zu entdecken. Meiner Meinung nach, eine viel interessantere Stadt als Tokyo und nicht so touristisch überlaufen wie Kyoto, das man übrigens von hier auch gut in einer halben Stunde mit dem Zug erreichen kann.

Wer neugierig geworden ist, findet mehr Informationen unter https://osaka-info.jp/en/ und https://www.japan.travel/de/destinations/kansai/osaka/

Text und Bilder ©Detlef Düring

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