Hütteng‘schichterl aus Pfronten

Blick auf den Aggenstein vom Breitenberg

Der Duft von frisch gebackenen Kässpatzen liegt in der Luft, irgendwo klirren Gläser voll erfrischendem Radler und die Abendsonne über den Gipfeln färbt die Felsen rotgold. Berghütten sind in Pfronten im Allgäu weit mehr als nur ein Zwischenstopp auf einer Wanderung – sie sind Orte voller Geschichten und erzählen von Menschen, die hier oben ihren ganz eigenen Traum leben. Ein Sherpa aus Nepal serviert authentische Momos statt nur Würstel und Brotzeit, ein junges Paar hat sich zwischen den Gipfeln neu erfunden und eine Vegetarierin lebt ihren fleischlosen Hüttentraum. Drei Hütten, drei Persönlichkeiten und viele Gründe, in den Pfrontener Bergen eine kleine oder größere Wanderpause einzulegen. Die Ostlerhütte auf 1.838 Metern, auf dem Breitenberg wird von einem jungen Paar bewirtschaftet. Auf der Hochalphütte, ein paar Höhenmeter weiter unten hat der Nepalese Ang Kami Lama das Zepter in der Hand. Die Hündelskopfhütte wurde dank Silvia Beyer zur ersten vegetarischen Hütte der Alpen.

Hochalphuette am Breitenberg ©Pfronten Tourismus
Hochalphuette am Breitenberg ©Pfronten Tourismus

Himalaya-Feeling am Breitenberg: Die Hochalphütte von Ang Kami Lama

Wenn Ang Kami Lama von seiner Heimat erzählt, leuchten seine Augen. Der 39-Jährige wuchs auf 2.705 Metern im Osten Nepals auf, machte eine Ausbildung zum Bergwanderführer, arbeitete als Sherpa und später immer wieder auch auf Hütten in den österreichischen Alpen. 2022 bestieg er erstmals selbst den Mount Everest. Nur wenige Monate später ergab sich für den Nepalesen die Möglichkeit, die Hochalphütte am Breitenberg zu übernehmen. Im Dezember 2022 wurde Ang Kami Lama Deutschlands erster nepalesischer Hüttenwirt. Gemeinsam mit seiner Frau Lhemi und Sohn Riaan führt er seither die auf 1.510 Metern gelegene Hütte mit einer liebenswerten Mischung aus nepalesischer Gastfreundschaft und Allgäuer Gemütlichkeit. Neben klassischen Allgäuer Schmankerln serviert er nun auf der Hochalphütte auch nepalesische Spezialitäten wie zum Beispiel hausgemachte Momos. „Das sind gedämpfte Teigtaschen, wie sie typischerweise im Himalaya hergestellt werden und die entweder mit Rinderhackfleisch oder mit Spinat gefüllt sind“, sagt der Hüttenwirt. Wanderer erreichen seine Hütte entweder zu Fuß in zweieinhalb bis drei Stunden mit einem möglichen Umweg durch die spektakuläre Reichenbachklamm oder bequem mit der Breitenbergbahn, von deren Bergstation es dann nur noch ein paar Gehminuten sind. Gestärkt von den Momos können Wanderer in rund einer Stunde von der Hochalphütte weiter auf den Gipfel des Breitenbergs steigen. Ambitionierte Bergfexe wagen von hier den Aufstieg auf den markanten Aggenstein.

Ostlerhuette Pfronten
Ostlerhuette Pfronten

Neubeginn mit Herz: Die Ostlerhütte von Sophie Drees und Andreas Driendl

Als Sophie Drees im Januar 2025 zum ersten Mal ins Allgäu kam, hatte sie gerade ihren Großvater verloren und braucht dringend eine kleine Auszeit. Doch aus dem geplanten dreiwöchigen Urlaub kehrte sie nicht zurück. Sie blieb. Die ehemalige Fitnessstudio-Leiterin aus dem Emsland verliebte sich nämlich nicht nur in die Berge, sondern auch in die Traditionen, die Herzlichkeit der Menschen – und in Andreas Driendl. Im Juni zog sie mit Sack und Pack ins Allgäu und dann ging alles ganz schnell. Schon im Dezember übernahm das Paar gemeinsam die auf 1.838 Metern, direkt am Gipfel des Breitenbergs gelegene Ostlerhütte. Andreas, der ehemalige Eishockeyprofi, bringt Hüttenerfahrung mit, Sophie kümmert sich um die Gäste mit einer Begeisterung, die ansteckt. Neben dem 360-Grad-Panoramablick bietet die Hütte auch komfortable Zimmer zum Übernachten sowie ein 12er-Matrazenlager. Von der Bergstation der Hochalpbahn (Sessellift) erreicht man die Ostlerhütte in etwa 30 Gehminuten. Wer den kompletten Aufstieg wagt, braucht vom Tal etwa drei Stunden.

Hochalphuette am Breitenberg ©Pfronten Tourismus 1
Hochalphuette am Breitenberg ©Pfronten Tourismus

Veggie-Pionierin in den Alpen: Die Hündeleskopfhütte von Silvia Beyer

Mit zwölf Jahren beschloss Silvia Beyer, kein Fleisch mehr zu essen. Obwohl sie auf einem Bauernhof in der Nähe von Pfronten aufwuchs, konnte sie irgendwann einfach nicht länger zusehen, wie die liebevoll aufgezogenen Kälber geschlachtet wurden. Über drei Jahrzehnte später, im Mai 2015, erfüllte sich die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin dann einen Traum: Sie übernahm die Hündeleskopfhütte und machte sie zur damals ersten vegetarischen Berghütte der Alpen. Auf 1.180 Metern serviert die herzliche Wirtin klassische Allgäuer Gerichte – von Kässpatzen über Krautkrapfen bis zu veganer Zucchini-Lasagne. Alle Zutaten stammen vom Naturkostladen im Tal, von regionalen Bauern mit biologischem Anbau und aus einer gentechnikfrei zertifizierten Sennerei, die nur Milch von Gras und Heu fressenden Kühen verarbeitet. Silvia Beyers Hütte erreicht man von Pfronten-Kappel in etwa 45 bis 60 Minuten. Der Weg ist auch mit Kinderwagen gut machbar. Besonders beliebt ist die Hütte auch bei Freunden alpiner Musik, denn hier findet zwei Mal jährlich ein Jodelkurs statt und ein monatlicher Jodel- und Sing-Stammtisch.