Sie lagen einst im Verborgenen und waren für die Öffentlichkeit nicht zugänglich: der Regierungsbunker im Ahrtal, der Bundesbank-Bunker in Cochem an der Mosel, die ehemalige Justizvollzugsanstalt in Wittlich und das antike Heiligtum unter der Römerpassage in Mainz. Heute sind diese geheimen Stätten in Rheinland-Pfalz Besucherziele mit faszinierenden Einblicken in lange verschlossene Welten.
Kanzler unterirdisch
Jahrzehntelang wusste die Öffentlichkeit nicht, was sich unter den idyllischen Wäldern und Weinbergen im Ahrtal verbarg. Unweit der alten Bundeshauptstadt Bonn war 1971 ein atombombensicherer Regierungsbunker mit gewaltigen Ausmaßen entstanden. Rund 3000 Menschen hätten dort Platz gefunden. Erste Planungen dazu gab es bereits seit den 1950er-Jahren. Die Bedrohung durch Atombomben im Kalten Krieg ließ Pläne für eine Bundesverwaltungszentrale reifen, die auch im Falle eines Nuklearangriffes hätte weiterarbeiten können.

Bunker mit Friseursalon
Den geeigneten Ort dafür fand man schließlich Mitte der Sechzigerjahre in zwei stillgelegten, 20 Kilometer langen Eisenbahntunneln hoch über dem Ahrtal. Unter strengster Geheimhaltung wurden sie zu einem zweiten atombombensicheren Regierungssitz ausgebaut, mit 83 000 Quadratmetern Nutzfläche, 897 Büros und 936 Schlafräumen.
1971 ging das Ganze in Betrieb mit einem festangestellten Mitarbeiterstab, der alles am Laufen hielt. Es gab dort eine Zahnarztpraxis und einen Friseursalon, ein Fernsehstudio und ein kleines Kanzleramt. Zur Not hätte das Land von hier aus unterirdisch weiterregiert werden können.
Dazu kam es bekanntermaßen nie. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Ende der nuklearen Konfrontation entschied man sich für die Auflösung – zumal die Bundeshauptstadt ja zwischenzeitlich auch ins ferne Berlin verlegt worden war.

Dokumentationsstätte mit vielen Originalen
1997 beschloss das Bundeskabinett die endgültige Aufgabe der Anlage in der Nähe von Ahrweiler. Das war der Zeitpunkt, an dem die Öffentlichkeit erstmals von ihr erfuhr. Die war natürlich neugierig und durfte gut zehn Jahre später endlich hinter die Kulissen der streng geheimen Regierungswelt unter der Erde schauen.
Im Jahre 2008 wurde in einem erhaltenen Teilstück die Dokumentationsstätte Regierungsbunker eröffnet. Wer sie besucht, bekommt einen Einblick in eine geheime Welt der Nachkriegszeit mit zahlreichen Originalgegenständen am Originalschauplatz. Die Dokumentationsstätte ist von April bis Oktober mittwochs und an den Wochenenden geöffnet, im Winter nur an den Wochenenden. Gruppenführungen sind jederzeit möglich.
Weitere Informationen zu dem besonderen Besucherziel unter www.rlp-tourismus.com/de/ausflugsziele/dokumentationsstaette-regierungsbunk/poi.html
Ab in den Knast
In den Knast will freiwillig eigentlich keiner. Und doch würde man mitunter gerne wissen, wie es dort zugeht und wie der Alltag in einem Gefängnis aussieht. Doch so einfach ist es nicht, dort reinzukommen, wenn man nicht gerade eine Haftstrafe zu verbüßen hat oder im Gefängnis arbeitet: Besuche aus reiner Neugier sind tabu.

Original-Lampe und Toilettenschüssel
Eine Ausnahme bietet das Justizvollzugsmuseum Wittlich. Hier vermittelt man der Öffentlichkeit auf 80 Quadratmetern Eindrücke vom Gefängnisleben im Wandel der Zeiten.
Unter anderem kann man sehen, wie eine Zelle in früheren Zeiten aussah und wie heute. Eine historische Arrestzelle ist sogar noch mit der Originallampe und Toilettenschüssel ausgestattet. Überdies werden in einer kleinen Sammlung verschluckte Gegenstände, Pistolenattrappen und unerlaubt hergestellte Messer gezeigt.
Fleischentzug an Feiertagen
Des Weiteren bekommt man einen Einblick in den heutigen Arbeitsalltag von Gefangenen und erfährt auch, wie sich die Vorschriften und Strafen im Falle von Vergehen verändert haben. Gab es einst Bier- und Fleischentzug an Feiertagen, werden heute eher Einkaufslisten reglementiert.
Regelmäßige Öffnungszeiten gibt es nicht, wer Interesse an einem geführten Rundgang hat, muss sich vorher unter der Telefonnummer 06571/9961717 bei der Justizvollzugsschule anmelden. Sowohl Einzelbesucher als auch Gruppen sind willkommen, der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen zu dem besonderen Besucherziel unter www.rlp-tourismus.com/de/ausflugsziele/justizvollzugsmuseum-wittlich/poi.html
Geheime Geldreserve
Was man in den Zeiten des Kalten Krieges nicht alles befürchtete: Eine Kontaminierung der Banknoten zum Beispiel oder eine Falschgeldschwemme, die zu einem Währungschaos führen könnte. Es war lange bevor das bargeldlose Zahlen solche Fragen zweitrangig machte.
Um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein, legte die Bundesbank eine geheime Geldreserve an, mit der man auf einen Schlag die in Umlauf befindlichen Banknoten hätte austauschen können.
Der Notfall trat nie ein
Doch wo das Ganze lagern? Nach langer Suche fand man schließlich in Cochem an der Mosel ein geeignetes Grundstück. Unter einem Schulungszentrum wurde eine Bunkeranlage gegraben, in der 1966 rund 15 Milliarden D-Mark deponiert wurden. Eine Ersatzserie, die nun für den Notfall bereitlag. Er trat jedoch nie ein. Spätestens mit dem Ende des Kalten Krieges hatten sich solche Vorsichtsmaßnahmen erübrigt, der Standort wurde von der Bundesbank aufgeben und das Ersatzgeld vernichtet. Die Anlage wurde schließlich von der Volksbank Cochem weiterbetrieben, die dort Kundenschließfächer und Büroräume unterhielt.
Dokumentationsstätte mit Führungsangebot
Nachdem auch die Volksbank die Immobilie aufgab, ging sie 2014 an einen Privatinvestor über. Der restaurierte den Bunker umfassend und wandelte ihn ab März 2016 in eine Dokumentationsstätte um: den Bundesbank-Bunker Cochem, seit 2023 gibt es dort sogar ein Besucherzentrum.
Der Bunker kann nur im Rahmen von Führungen besucht werden. Bis 2. November finden sie täglich statt, bis 30. November mittwochs und an den Wochenenden, im Dezember nur am Wochenende, in den Weihnachtsferien wieder täglich. Eine Führung dauert 45 Minuten, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen zu dem besonderen Besucherziel unter www.rlp-tourismus.com/de/ausflugsziele/bundesbank-bunker-cochem/poi.html
Verborgene Kultstätte
Bauarbeiten an Orten mit einer antiken Geschichte sind immer spannend. So war das auch im Jahr 2000, als im rheinhessischen Mainz die Aushubarbeiten für die Römerpassage begannen. Ein modernes Shoppingcenter mit einem historischen Namen, der sich jedoch bald als überaus passend entpuppen sollte.

Einzigartig gut erhaltene Tempelanlagen
Denn unter der Erde wurden die Überreste eines römischen Heiligtums entdeckt. Eine Kultstätte für die Göttinnen Isis und Mater Magna. Ein Sensationsfund, denn das Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtum ist der einzige Tempel seiner Art, der noch weitgehend erhalten geblieben ist. Anlagen in Köln oder Augsburg sind nur noch durch Inschriften belegt. Die Kultstätte in Mainz ist ein einzigartiges Zeugnis der religiösen Vielfalt im Römischen Reich: Isis ist eine ägyptische Göttin, Mater Magna eine Gottheit aus Kleinasien. Überaus selten ist, dass beide zusammen in einer Kultstätte verehrt wurden.
Der Fundort war für Archäologen und Historiker ausgesprochen ergiebig: Mehr als 300 Öllampen und zahlreiche Opfergaben wie Datteln, Feigen und Getreidekörner fand man dort, ebenso wie kunstvolle Statuetten aus Bronze und Ton. Bemerkenswert sind auch die sogenannten Fluch-Tafeln: Dünne Bleiplättchen, in die die Römer Verwünschungen oder Bitten an die Gottheiten ritzten.
Klangvolle Inszenierung
Seit 2003 können Besucher die Kultstätte besichtigen. Im Untergeschoss der Einkaufspassage wurde eine Ausstellung mit dem Titel „Taberna archaeologica“ eröffnet, die mit modernen Inszenierungen und historischen Zeugnissen aus der Zeit des römischen Mogontiacum arbeitet, wie Mainz früher einmal hieß. Glasstege führen über die Originalmauern hinweg, die mit Licht, Klang und Projektionen sowie einem Hörspiel des Kabarettisten Lars Reichow als römischer Bürger Claudius Secundus zu einem besonderen Erlebnis werden.
Die Ausstellung im Untergeschoss der Mainzer Römerpassage ist täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Führungen können bei Mainz Tourismus oder direkt vor Ort gebucht werden.
Weitere Informationen zu dem besonderen Besucherziel unter www.rlp-tourismus.com/de/ausflugsziele/isis-und-mater-magna-heiligtum/poi.html
Weitere Informationen zur Region unter www.rlp-tourismus.de/rheinhessen






