Gletscher, Bergseen, Viadukte und italienische Piazza: Die Berninalinie der Rhätischen Bahn gehört zu den bekanntesten Bahnstrecken der Schweiz. Seit über einem Jahrhundert zieht die Berninabahn Fahrgäste aus aller Welt in ihren Bann. Sie führt durch die wunderschöne Schweizer Natur und verbindet auf einzigartige Weise die Orte St. Moritz und Tirano. Ihre weltweite Einzigartigkeit macht sie zu einem besonderen Teil des UNESCO Welterbes Rhätische Bahn: Die Berninabahn ist die höchstgelegene Alpentransversale und eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt. Fünf Fakten zeigen, warum die Strecke technisch, geografisch und touristisch außergewöhnlich ist.

Sieben Zentimeter pro Meter: Wie die Berninalinie Höhe gewinnt
Auf der Berninalinie erreicht die Steigung bis zu 70 Promille. Anschaulicher gesagt: Auf einem Meter Gleis gewinnt der Zug bis zu sieben Zentimeter Höhe. Was nach wenig klingt, wird im Hochgebirge zum Prinzip der ganzen Strecke: Vom Start in St. Moritz bis zum höchsten Punkt der Linie summiert sich der Höhengewinn auf netto 478 Meter – ziemlich genau drei Mal die Höhe des Kölner Doms. Die Bahn arbeitet sich offen durch die alpine Landschaft, vorbei an Geröllfeldern, Bergseen und Gletscherblicken – nicht versteckt im langen Basistunnel, sondern sichtbar am Berg.

Der höchste Punkt ist kein Gipfel, sondern ein Bahnhof
Dieser höchste Punkt liegt bei Ospizio Bernina – auf 2.253 Metern. Das Besondere daran ist nicht nur die Höhe, sondern die Alltäglichkeit des Ortes: kein Gipfelkreuz, sondern ein Bahnhof; kein Ziel am Ende einer Bergtour, sondern ein Halt im Fahrplan. Wer hier aussteigt, steht am Dach der Berninalinie – mit Bahnsteig, Lago Bianco und Hochgebirgslandschaft direkt vor der Tür. Kurz danach beginnt die Strecke Richtung Valposchiavo abzufallen, und aus alpiner Weite wird Schritt für Schritt Süden.

Ein Bahnhof, zu dem keine Straße führt
Auch Alp Grüm ist kein gewöhnlicher Halt. Die Station liegt exponiert über dem Valposchiavo, mit Blick auf den Palügletscher und weit Richtung Süden. Einen klassischen Straßenanschluss gibt es hier nicht; wer ankommt, kommt mit der Bahn oder zu Fuß. Trotzdem ist Alp Grüm kein verlassener Punkt auf der Karte: Im historischen Albergo mit Ristorante wird gegessen, gerastet und auf die Landschaft geschaut. Hier ist die Bahn nicht nur Verkehrsmittel, sondern die Verbindung, die den Ort überhaupt zugänglich macht.

In Brusio fährt der Zug im Kreis
Kurz vor Tirano passiert die Berninalinie das Kreisviadukt von Brusio. Dort macht der Zug eine offene Schleife, um auf engem Raum Höhe abzubauen. Der Kreis ist kein Showeffekt, sondern eine elegante Lösung für ein alpines Problem: Die direkte Linie wäre zu steil, also verlängert die Bahn ihren eigenen Weg. Was technisch notwendig ist, wirkt für Reisende wie ein Bahnkunststück – und zeigt auf einen Blick, wie viel Ingenieursarbeit in dieser Strecke steckt.

Erst Gletscher, dann Palmen
Die Berninalinie führt vom Hochgebirge bis ins italienische Tirano – und damit vom höchsten zum tiefsten Punkt im Netz der Rhätischen Bahn. Zwischen Ospizio Bernina auf 2.253 Metern und Tirano auf 429 Metern liegen 1.824 Höhenmeter – ungefähr so viel wie die Höhe der Eiger-Nordwand. Deshalb ist der Wechsel am Ende mehr als ein schönes Fotomotiv: Nach Bergseen, Geröll und Gletscherblicken prägen plötzlich Palmen, Piazze und südliche Architektur das Bild. Die Reise endet nicht einfach an einem Bahnhof, sondern in einem anderen Rhythmus.






