Im Saarland aktiv entschleunigen ohne Massentourismus

Biosphaere Bliesgau ©Eike Dubois

Pünktlich zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison steht der SV Elversberg nun dort, wo ihn vor einiger Zeit wohl kaum jemand erwartet hätte: Vor vier Jahren noch Regional-, heute 1. Bundesliga. In der mehr als 100-jährigen Vereinsgeschichte ist der SV Elversberg mit dem Aufstieg im Mai 2026 ein echter Coup gelungen. Im Saarland blickt man währenddessen mit Gelassenheit auf die Underdog-Rolle. Man ist es gewohnt, unterschätzt zu werden – um dann zu überraschen. Das gilt nicht nur für den Fußballplatz, sondern auch für die eindrucksvollen Mischwälder und die nationalen Naturlandschaften, wo erlebnisreiche, vor allem aber entschleunigende Mikro-Abenteuer warten. Denn eines ist klar: Nur, wer ab und an gezielt runterkommen kann, ist schließlich im Stande, Großes zu vollbringen – im Alltag wie auf dem Spielfeld. Touristisch zeigt das Saarland, dass Attraktivität keine Frage der Größe ist. Kurzurlauber finden inmitten von artenreichen Kulturlandschaften und drei nationalen Naturlandschaften ungeahnte Aufstiegsmöglichkeiten und wunderbare Abseitsfallen. Die folgenden Orte zum Runterkommen und ein wörtlich zu nehmender Aufstiegsplatz sind eine unaufgeregte Einladung zu (ent)spannenden Kurztrips ins Saarland.

Die schönste Schlinge des Saarlands: Aufsteigen für die bessere Perspektiv

Genau an der Stelle, wo die Saar eine plötzliche Kehrtwende macht und eine wunderschöne Schleife in die Landschaft zeichnet, thront rund 180 Meter über dem Fluss ein felsiger Aussichtspunkt, die sogenannte Cloef. Von hier aus liegt das weltberühmte Naturschauspiel Saarschleife direkt zu Füßen des Betrachters. Zu dem Aussichtspunkt lässt es sich auf der Traumschleifchen-Weitblick-Rundtour ohne Treppen und Stufen entspannt aufsteigen. Wer noch höher hinaus will, erklimmt den Baumwipfelpfad Saarschleife mit seinem 42 Meter hohen Turm. Der Blick reicht weit über die Landschaft des Naturparks Saar-Hunsrück hinaus bis nach Frankreich. Spätherbstliches Highlight ist der Lichterzauber: Ab 28. November 2026 leuchtet und glitzert der gesamte Baumwipfelpfad.

An der Saarschleife ©Detlef Duering 1
An der Saarschleife ©Detlef Duering

Mikro-Abenteuer Tipp: Die Wanderung durch das romantische Steinbachtal zur Burg Montclair – inklusive Überfahrt mit der einzigen Fähre des Saarlandes – präsentiert sich im leuchtend-bunten Herbstwald besonders eindrucksvoll.

UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau: Biodiversität auf höchstem Niveau

An der Grenze zu Frankreich und Rheinland-Pfalz findet sich mit dem UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau ein einzigartiges Mosaik aus Streuobst- und Orchideenwiesen, aus Buchenwäldern, Muschelkalklandschaften und Buntsandsteinfelsen. Der Fluss Blies formt Schlangenlinien in die sanfte Hügellandschaft, die Heimat einer reichen Artenvielfalt sowie einer starken regionalen Lebensmittelproduktion ist.

Mikro-Abenteuer Tipp: Neun Etappen umfasst der 108 Kilometer lange Bliessteig, der vom Wandermagazin in der Kategorie Mehrtagestouren zum Sieger „Deutschlands schönster Wanderweg 2025“ gekürt. Er wurde außerdem im gleichen Jahr von der Europäischen Wandervereinigung als „Leading Quality Trails – Best of Europe“ ausgezeichnet. Für alle, die sich eine kleine Auszeit auf dem Fernwanderweg gönnen möchten, lassen sich zwei bis drei Etappen ideal zu einem kurzen „Thru-Hike“ verbinden. Besonders im Herbst machen bunte Wälder, angenehme Temperaturen und abwechslungsreiche Wege die Tour rund um Blieskastel und Kirkel zu einem besonderen Wandererlebnis.

Mikro-Abenteuer Tipp: Wer sich aktiv an der Pflege der Streuobstwiesen beteiligen möchte, darf sich als temporärer Erntehelfer unter folgendem Link vormerken lassen: https://aktion.bliesgauobst.de. Sollten die Erträge über den Eigenbedarf hinausgehen, kann das Obst an verarbeitende Betriebe weitergegeben werden – im Gegenzug erhalten Erntehelfer einen Anteil der Erzeugnisse.

Bergehalde Kleiner Fuji im Urwald ©Klaus Peter Kappest
Bergehalde Kleiner Fuji-im Urwald ©Klaus Peter Kappest

Nationalpark Hunsrück-Hochwald: Abseits von Hast und Hetze

Auf einer Fläche von etwa 14.000 Fußballfeldern verbindet der Nationalpark Hunsrück-Hochwald das Saarland und Rheinland-Pfalz. Urige Wälder mit altem Buchenbestand, intakte Moore und das riesige Felsenmeer der Rosselhalden prägen das Bild des Nationalparks, der zu den wichtigsten deutschen Schutzräumen für biologische Vielfalt gehört. Die Natur ist hier die größte Faszination, die jeder auf seine eigene Weise erlebt. Deshalb führen zahlreiche Wander- und Radwege ganz unkompliziert durch den Park – gerne auch im Kreis. Die „Traumschleifen“ sind ausgezeichnete Rundwanderwege zwischen 7,5 und 14 Kilometern. Sechs „Traumschleifen“ führen auf Pfaden durch den Nationalpark – ideal für alle, die beim Wandern bewusst einen Gang zurückschalten möchten.

Mikro-Abenteuer Tipp: Wer es genau wissen möchte, wandert gemeinsam mit Rangern auf den Spuren der Wildkatze, tourt durch die Moore oder erlebt eine Fledermausnacht.

Saarkohlenwald: Waldgebiet des Jahres 2026

Im Norden der Landeshauptstadt Saarbrücken bildet der Saarkohlenwald mit einer Fläche von etwa 6.000 Hektar das grüne Rückgrat des Ballungsraums rund um die Saar. Als Zwei-Etagen-Wald spiegelt er die Geschichte der Region: Vor vielen Millionen Jahren entwickelten sich aus den abgestorbenen Bäumen gewaltiger Sumpfwälder erst Torfschichten, die letztlich zu Steinkohle gepresst wurden. Erst nach dem Ende des Bergbaus durfte sich auf dem Gebiet wieder ein Buchen- und Eichenwald entfalten, der die faszinierende Geschichte der Natur erzählt. Die Wahl zum Waldgebiet des Jahres 2026 durch den Bund Deutscher Forstleute (BDF) unterstreicht seine Bedeutung.

Ein rund 1.000 Hektar großer Teil des Saarkohlenwalds ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. In diesem einzigartigen „Urwald vor den Toren der Stadt“ ist der Wald sich selbst überlassen. Auf den beliebten Premiumwanderwegen Urwald-Tour und Wilder Netzbachpfad zieht die Natur aufmerksame Beobachter in ihren Bann. Hier zeigen sich die natürlichen Prozesse und alle Wunder, die daraus entstehen.

Mikro-Abenteuer Tipp: Als Urwald-Revierleiterin setzt sich Helena Stein neben ihren klassischen Aufgaben als Försterin dafür ein, Menschen und Wald wieder stärker zu verbinden. So organisiert sie Urwaldführungen und -veranstaltungen, Foto- und Kunstprojekte sowie Naturerlebnisprogramme. Im Herbst 2026 können sich Naturfreunde im Saarkohlenwald beispielsweise auf Bergbau-Spurensuche begeben, Survival- und Schnitzkurse absolvieren und im Jahreszeiten-Camp den Wald rund um die Uhr kennenlernen.

Indian Summer im Saarland ©Eike Dubois
Indian Summer im Saarland ©Eike Dubois

URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde: Herausragen ist keine Frage der Größe

Elversberg liegt 15 Kilometer nordöstlich von Saarbrücken, hat rund 7.500 Einwohner und mit der SVE einen Fußballverein, der dieses Jahr Geschichte geschrieben hat: Mit viel Leidenschaft und Einsatz hat sich die Mannschaft innerhalb weniger Jahren von der Regional- in die Bundesliga gekickt. Die SVE identifiziert sich mit der Heimat und sieht sich als Spiegelbild der Saarländer: „selbstbewusst statt selbstgefällig, zugänglich statt unnahbar“.

Mikro-Abenteuer Tipp: Für Fußball-Fans und die, die sich als solche ausprobieren möchten, ist der Besuch eines Heimspiels im kleinsten Bundesliga-Stadion Deutschlands Pflicht. Hier ist das Geschehen zum Greifen nah, die Atmosphäre familiär.