Das Marchfeld ein touristischer Geheimtipp

Im Kiwifeld Marchland ©DetlefDuering

Das Marchfeld ist eine Region Niederösterreichs vor den Toren Wiens, die sich im Osten entlang der March, dem Grenzfluss zur Slowakei, erstreckt und im Süden an der Donau angrenzt. Diesen beiden Flüssen verdankt das Marchfeld wohl auch, dass es obwohl einerseits die trockenste, andererseits auch die fruchtbarste Region Österreichs ist.

Die Korn- und Gemüsekammer Österreichs das Marchfeld, ein Paradies für Feinschmecker

So ist die Landschaft geprägt von fruchtbaren Ebenen, die seit Jahrhunderten für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt werden, und bis heute die Korn- und Gemüsekammer Österreichs sind.

Kiwis
Kiwis im Marchland ©DetlefDuering

Es gibt kaum eines der der heimischen Gemüse und Früchte, die hier nicht auf den weiten Feldern angebaut werden. Vieles davon verarbeiten und vermarkten die Bauern selbst und bieten es in zahlreichen Hofläden und Bauernmärkten an.

Aber nicht nur Spargel, Erdbeeren, Kartoffeln und Zwiebeln werden hier angebaut, sondern inzwischen auch so exotische Früchte, wie Sanddorn, Artischocken oder Minikiwis. Einige Bauern habe sich einfach Gedanken gemacht, wie man sich auf den auch hier abzeichnenden Klimawandel einstellen kann und welche Früchte inzwischen dadurch auch hier anbaut werden können.

So werden auf dem Biohof Böchzelt  seit einigen Jahren Minikiwis gezüchtet, welche, wie auch daraus selbst gemachte Fruchtaufstriche, Fruchtsenf, Brand und Liköre, im eigenen Hofladen und umliegenden Bauernmärkten verkauft werden.

Sanddorn im Marchland ©DetlefDuering
Sanddorn im Marchland ©DetlefDuering

Genauso der Sanddorn auf dem sechs Hektar großen Bio-Sanddorn-Garten der Familie Burik , der auch nach Voranmeldung besichtigt werden kann. Sanddorn hat einen zehn Mal höheren Vitamin C-Anteil als Zitrusfrüchte, ist reich an zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen und verfügt über immunstärkende Inhaltsstoffe. Buriks vermarkten ihren Sanddorn aber nicht nur selbst, unter anderem auch in einem Online-Shop, sondern dieser wird auch von „Sandicca“, in ihren Frische-Nahrungsergänzungsmitteln und biozertifizierten Hightech-Kosmetikserien verarbeitet.

Das Marchfeld ist mit seinen köstlichen Obst- und Gemüsesorten und natürlich auch dem köstlichen Wein, der hier auch angebaut wird, einfach ein Paradies für Feinschmecker.

Prachtvolle Schlösser und ursprüngliche Natur

Doch hat das Marchfeld mit 14 Naturschutzgebieten und fünf prachtvollen Schlösser mit ihren Parks noch viel mehr zu bieten, auch für Besucher, die ein wenig länger in der Region verweilen möchten.

Schloss Eckartsau Marchland ©DetlefDuering
Schloss Eckartsau Marchland ©DetlefDuering

Alle Marchfelder Schlösser, Schloss Hof, Niederweiden, Eckartsau, Marchegg und Orth sind sehenswert und entführen bei Führungen und Besichtigungen in die ehemaligen Zeiten der österreichischen K.u.K-Monarchie. Bei sommerlichen Picknicks und Festen auf Schloss Hof oder Schloss Niederweiden wird diese Zeit sogar für einen selber ein wenig erlebbar. Viele der Besucher tragen historische Gewänder und kleinere schauspielerische und musikalische Darbietungen lassen die damalige Zeit lebendig werden.

Schloss Hof Marchland ©DetlefDuering
Schloss Hof Marchland ©DetlefDuering

Mir unvergesslich das Sternenpicknick, ein barocker Abend auf Schloss Hof mit wirklich höfischem Leben im Schloss und seinem wunderbaren nach französischem Vorbild errichteten Terrassen-Schlossgarten, mit Blick auf das nahe Bratislava am gegenüberliegenden Ufer.

Auch das Jagdschlosses Eckertsau hat einen idyllischen Schlosspark und liegt mitten im Nationalpark Donau-Auen, wie auch das mittelalterliche Schloss Orth, welches das Nationalpark-Zentrum beherbergt.

Der fast 10.000 ha große Nationalpark ist die letzte große Flussauenlandschaft Mitteleuropas mit über 5000 verschiedenen Tierarten. So konnten hier inzwischen wieder viele seltene Tier- und Pflanzenarten angesiedelt werden, wie der Seeadler, die Europäische Sumpfschildkröten und auch einige heimische Schlangenarten. Die Auwälder haben sich hier wieder zu einer artenreichen Wald- und Sumpfwildnis entwickelt, entsprechend dem ursprünglichen Naturcharakter dieser Auenlandschaft.

Manfred Rosenberg
Manfred Rosenberg Natur-und Kulturvermittler vom Schloss Orth Nationalpark Zentrum Donau Auen ©DetlefDuering

Ein Auen-Erlebnisgelände auf der Schlossinsel von Schloss Orth entführt den Besucher in die Lebensräume, Tiere und Pflanzen der Auen-Landschaft, sogar durch eine begehbare Unterwasserstation mit Einblicken in die von zahlreichen Lebewesen bevölkerten Gewässern.

Ein Spaziergang durch die wildromantischen Donau-Auen zu dem nicht allzu weit entfernten Ufern der Donau ist schon ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte, ebenso wie ein Besuch des  Uferhaus von Georg Humer, welches den Spaziergänger dort erwartet.

Das Uferhaus von Georg Humer in Orth ist ein Gasthaus mit einem idyllischen Biergarten und bekannt für seine Fischspezialität, den Serbischen Karpfen, ein kulinarisches Highlight. Humers Oma hat in den 1930er-Jahren, inspiriert von auf der Donau vorbeifahrenden serbischen Matrosen, eine Zubereitungsart von frisch gefangenen Karpfen erfunden, die fortan der „Serbische Karpfen“ genannt wurde und bis heute die Gäste von nah und fern anzieht, ein mit viel Knoblauch, Paprikapulver und einigen geheimen Gewürzen eingeriebener und über offenem Feuer gebratener Karpfen.

Schloss Marchegg
Schloss Marchegg ©DetlefDuering

Zu den bekanntesten Schlössern zählt aber das im 16. Jahrhundert erbaute und gerade anlässlich der hier letztes Jahr stattfindenden niederösterreichischen Landesausstellung MARCHFELD Geheimnisse – Mensch.Kultur.Natur, frisch renovierte Schloss Marchegg. Hier gibt eine einzigartige Weißstorchkolonie mit derzeit bis an die 40 „bewohnte“ Storchen-Horste. Bereits 1890 wurde diese besonders große Storchenkolonie urkundlich erwähnt und ist heute die größte Weißstorchkolonie Mitteleuropas. Schon von weitem sieht man die Störche, später im Jahr vor allen Dingen die Jungstörche, über dem Schloss und vor allen Dingen den March-Auen kreisen. Das Naturschutzgebiet „Untere Marchauen“ grenzt direkt an das Schloss und bietet mit seinem alten Baumbestand die idealen Voraussetzungen für die Horste von beeindruckender Größe, die bis zu zwei Meter hoch sein können. Aber nicht nur in den Kronen dieser alten Bäume befinden sich die Horste, sondern auch auf den zahlreichen Schornsteinen des Schlosses. Weißstörche sind ihrem Horst treu und beziehen jedes Jahr den gleichen Horst.

Storchennester
Storchennester auf Schloss Marchegg ©DetlefDuering

Das sich im Schloss befindende Informationszentrum Storchenhaus Marchegg gibt viele Einblicke in das Leben der Störche und bietet auch informative Toren mit Natur-Rangern an.

Dass die Region für Touristen, die länger bleiben wollen, noch ein Geheimtipp ist, zeigt sich leider negativ an dem Angebot von Übernachtungsmöglichkeiten vor Ort, wenn man die Region nicht nur mit Tagesausflügen aus dem nahen Wien oder Bratislava erkunden möchte.

Suiten von aussen
Winzerhof Küssler ©DetlefDuering

Wobei es allerdings auch in der Region außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten gibt, wie der Winzerhof Küssler. Hier wird nicht nur hervorragender Wein angebaut, sondern man kann hier auch unter anderem in romantischen Suiten, die in riesigen Weinfässern gebaut wurden, wunderbar einige Tage Urlaub machen, und Wein und Essen im schönen, baumbewachsenen Innenhof, auf der Sonnenterrasse oder im Weinkeller des Buschenschanks genießen. Mögliche Highlights sind auch ein romantisches Rotweinbad zu zweit in der Holzwanne mit Rotweinschaumbad und Rotwein-Shampoo oder eine Weinverkostung im 300 Jahre alten Kellergewölbe von nicht nur hervorragenden, sondern auch „singender“ Weine. Eine einzigartige Idee der Küsslers, wo Weinflaschen mit einem Musikmodul versehen, Songs für alle möglichen Anlässe wiederholt erklingen lassen können.

Marchfelder Hof Empfang
Marchfelder Hof Empfang ©DetlefDuering

Außergewöhnlich vom Genuss, wie auch vom Erleben ist der Besuch des Marchfelderhof in Deutsch-Wagram. Hier wird jeder Gast als VIP empfangen und behandelt. Schon bevor man das Restaurant betreten kann, wird auf der Straße der Verkehr angehalten, ein roter Teppich ausgerollt und jeder Gast mit Fahnen und Musik empfangen. Hier fühlt man sich als Gast direkt zurückversetzt in die K. und K.-Zeit. Jeder Gast ist hier König und wird genauso behandelt, wie all die vielen Stars, Könige, Politiker, Sportler und Adeligen aus aller Welt, die hier schon zu Gast waren. Nicht nur über 40 Gästebücher und zahlreiche Bilder an den Wänden erzählen von berühmten Gästen, auch an jedem Tisch kann man die berühmten Namen der Persönlichkeiten, die genau an diesem Platz gespeist haben, wo man gerade selbst sitzt, nachlesen. Und das gesamte Ambiente mit überbordender Deko ist einfach einzigartig.

Insgesamt ist das Marchfeld eine Region, die sowohl für Kultur- als auch Naturbegeisterte und Feinschmecker viel zu bieten hat, und vor allen Dingen noch nicht touristisch überlaufen ist, schon fast ein Geheimtipp.

Mehr Informationen unter www.marchfeld.weinviertel.at

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