Wagner-Freunde halten Bayreuth die Treue

Den Sommer in Bayreuth einmal ganz anders erleben: Auch wenn die Wagner-Festspiele 2020 offiziell abgesagt sind, hält das die Wagnerianer nicht davon ab, die Stadt im Sommer zu besuchen. In Anlehnung an Loriot, bringt es ein treuer Gast auf den Punkt: „Ein Sommer ohne Bayreuth ist zwar möglich – aber sinnlos“. Anlass für eine Reise nach Bayreuth gibt es in der Tat genug: Unter dem Titel „Bayreuth Summertime 2020: Kultur. Genuss. Leben“ planen Kulturreferat, Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH sowie viele freie Kulturveranstalter ein attraktives Programm von Juli bis September unter den erschwerten Voraussetzungen. Details dazu werden in Kürze veröffentlicht. Darüber hinaus bietet sich den Besuchern in diesem Sommer die Gelegenheit, sich Zeit zu nehmen für die diversen Sehenswürdigkeiten Bayreuths.

Bayreuth mit Festspielhaus ©Corinna Weih

Mit der Absage der Festspiele vor wenigen Wochen richteten die Veranstalter auch einen Appell an alle Wagnerianer, Bayreuth dennoch in diesem Jahr die Treue zu halten. Dr. Manuel Becher, Geschäftsführer der Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH, verwies auf die Fülle an kulturellen Angeboten in Bayreuth: „Ob das Richard-Wagner-Museum, das Markgräfliche Opernhaus, das Franz-Liszt-Museum oder aber unser Kunstmuseum, die Vielfalt an unvergesslichen kulturellen Eindrücken und Erlebnissen ist immens.“ Mittlerweile sind auch die Pläne für ein alternatives Sommerprogramm fortgeschritten. Auch wenn es 2020 das internationale Aushängeschild der Kulturstadt nicht geben wird, sollen die weiteren Programmhighlights unter dem Motto „Bayreuther Summertime 2020 – Kultur Genuss Leben“ stattfinden. Zahlreiche bestehende Veranstaltungen werden an die aktuelle Situation angepasst, und neue werden konzipiert. So soll beispielsweise das Musikfest „Meine Bühne Bayreuth“ von einem Tag mit vielen Bühnen auf mehrere Tage mit zwei Bühnen in der Innenstadt ausgedehnt werden. Weitere Programmpunkte sind u.a. ein Jazzfestival in der zweiten Augusthälfte, Konzerte der klassischen Musik, Theaterproduktionen und diverse Genussfeste. Auch einige Musikerinnen und Musiker sowie Sängerinnen und Sänger der Bayreuther Festspiele werden in der Stadt sein und im Rahmen eines Sonderprogramms dem Kulturangebot angehören.

Die Idee scheint zu fruchten: Einige Wagner-Fans haben ihren Besuch in Bayreuth für das Jahr 2020 bereits angekündigt – und das, obwohl sie auf ihr jährliches Highlight in diesem Sommer verzichten müssen. Christian Stürzl-Moitz, Vorsitzender des Richard-Wagner-Verbandes in Köln, besucht Bayreuth seit acht Jahren regelmäßig. Die fränkische Stadt und die Wagner-Festspiele sind für ihn seit Jahren eng miteinander verbunden, und so plant er auch dieses Jahr einen Besuch in Bayreuth fest ein. „Ich freue mich besonders auf die Bayreuther Bürger, die uns seit Jahren gastfreundlich empfangen, sowie auf das gute Bier und die fränkische Küche“, führt Stürzl-Moitz aus.

Auch für Astrid Gröhbühl ist ein Sommer ohne Bayreuth-Besuch undenkbar, da die Festspiele für sie den Höhepunkt des Opernkalenders darstellen. „Dieses Jahr wäre es mein vierter Besuch bei den Festspielen gewesen. Trotz der Absage komme ich mit meiner Tochter nach Bayreuth und entdecke die Sehenswürdigkeiten, die aufgrund von Zeitmangel bisher zu kurz kamen“, erklärt Gröhbühl. Und fügt an: „Das Markgräfliche Opernhaus würde ich dieses Jahr gerne im Zuge einer Führung besuchen, ebenso wie den Felsengarten Sanspareil und die Eremitage.“

Auch die internationale Fan-Gemeinde, hofft auf die Lockerungen bei den Reisebestimmungen. So kündigt Anwar Moollan, ein Anwalt aus Port Louis auf Mauritius, an: „Ein Sommer ohne Bayreuth ist für mich und meine Familie undenkbar!“ Insofern die Reisebestimmungen in seinem Land gelockert werden, plant er auch dieses Jahr eine Reise nach Franken.

Andreas Volkert, Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen der Wartburg-Stiftung in Eisenach, kommt in diesem Jahr bereits das 20. Mal in Folge nach Bayreuth. Er klärt auf: „Auch ohne Tannhäuser, Lohengrin und Meistersinger zieht es mich dieses Jahr einmal mehr in dieses kleine fränkische Paradies. Die Zimmer im Hotel sind gebucht und bleiben es auch. Vielleicht gelingt es mir ja, endlich das Festspielhaus zu besichtigen, denn Führungen während des normalen Festspielbetriebes sind ja nicht möglich.“ Darüber hinaus freut sich Volkert auf einen spannenden Abend in der Liebesbier-Bierwelt, die für ihn genauso zur kleinen, fränkischen Kulturmetropole gehört wie Wagner selbst. „Um mit Tannhäusers Worten zu sprechen: ‚Die Zeit, die hier ich weil’, ich kann sie nicht ermessen‘ – als Wagnerfreund hält man die Treue.“

Mehr Informationen unter www.bayreuth-tourismus.de