Tschechien mit Gänsehaut-Feeling

Mumien gehören für die meisten Europäer ins alte Ägypten. Doch auch Tschechien hat seine mumifizierten Leichname. Zwar haben dort auch einige antike Fundstücke ihren Weg in die Museen gefunden haben. Eindrucksvoller sind aber die noch gut erhaltenen sterblichen Überreste von Mönchen, Adligen und einfachen Leuten. Im Herbst laden zahlreiche Orte im ganzen Land zum Besuch mit Nervenkitzel ein.

Klatovy Katakombe

Wer die Katakomben der Klöster von Klatovy (Klattau), Brno (Brünn) oder Broumov (Braunau) besucht, braucht im ersten Moment ein wenig Überwindung. Dutzende teils sehr gut erhaltene Mumien bieten dort einen schaurig-faszinierenden Anblick. Besonders eindrucksvoll ist die Unterwelt des Jesuitenklosters im südböhmischen Klatovy. Von 1676 bis 1783 wurden dort mehr als 200 Ordensbrüder, Adlige und Patrizier zu Grabe getragen. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens durch die Josephinischen Reformen 1784 wurde dieser Tradition ein Ende gesetzt.

Ein ausgeklügeltes Belüftungssystem, das bis unter das Dach des Gotteshauses führt, sorgte für eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Zudem wurden die Verstorbenen auf Holzspäne in Eichensärge gebettet und mit Hopfen bedeckt, was den Zerfallsprozess aufhalten sollte. Durch einen späteren Umbau des Lüftungssystems wurde die Mehrzahl der Mumien zerstört, erhalten blieben 37, von denen 30 in der Ausstellung versammelt sind.

Im nordböhmischen Broumov können Touristen 34 Mumien besichtigen. Sie wurden vor 17 Jahren aus der Krypta der Prokopskirche im 70 Kilometer entfernten

Kloster Broumov
Kloster Broumov

Vamberk (Wamberg) in die Kellergewölbe des Benediktinerklosters verbracht und stammen aus dem 17. bis 18. Jahrhundert. Während die meisten Mumien nicht mehr identifiziert werden können, finden sich bei einigen noch biografische Noten. Zu den wichtigsten Verstorbenen zählt Magdalena Freiin von Gramb. 1671 verstorben, hatte sie sich zuvor um die Verbesserung der Lebensbedingungen ihrer Untertanen bemüht und die Kunst des Klöppelns aus ihrer belgischen Heimat mit nach Böhmen gebracht. Anhand ihrer sterblichen Überreste wurde eine lebensechte Skulptur angefertigt, die im Ausstellungsteil besichtigt werden kann.

Einen Schauer jagen Besuchern die über 20 erhaltenen Mumien in der Gruft des Kapuzinerklosters von Brno über den Rücken. Einige der Ordensbrüder haben noch ihre Kapuzen auf dem Kopf und Rosenkränze in der Hand. Auch dort sorgte die besondere Lüftungstechnik für ein gleichbleibendes Klima. Der berühmteste Leichnam ist der des Freiherrn Franz von der Trenck. Der Offizier war für seine Grausamkeit bekannt und wurde wegen dieser sowie wegen Gehorsamsverweigerung zu lebenslanger Haft auf der Festung Špilberk (Spielberg) verurteilt, wo er 1749 starb. Anfang 2017 wurde im Brünner Stadtmuseum durch Zufall sein bis dahin fehlender Daumen der linken Hand gefunden.

Mumien in Brunn
Mumien in Brunn

Nur auf Anfrage zu sehen sind die Mumien in den Kirchen von Frýdek-Místek (Friedeck-Mistek), Mnichov (Einsiedl) und Kralovice (Kralowitz). Im mährisch-schlesischen Frýdek-Místek sind Pilger bestattet, die bei einem Hochwasser der Ostravice (Ostrawitza) ums Leben kamen. In Mnichov sind die sterblichen Überreste von Bürgern aus dem 18. Jahrhundert sowie von französischen und schwedischen Soldaten zu sehen, die dort während der Österreichischen Erbfolgekriege ihr Leben ließen. 17 Angehörige der Adelsfamilie Griespek von Griespach wurden in der Krypta der Peter-und-Pauls-Kirche von Kralovice bestattet. Ihre gut erhaltenen mumifizierten Leichname sind heute in Glassärgen ausgestellt.

Besucher des Landes erwarten aber nicht nur auf natürliche Weise mumifizierte Leichname. Über 3.500 Jahre alt ist eine der beiden ägyptischen Mumien, die Kanzler Metternich 1828 vom ägyptischen Herrscher Muhammad Ali Pascha geschenkt bekam. Zu sehen sind sie im Kuriositätenkabinett Metternichs auf dessen Schloss Kynžvart (Königswart) in Westböhmen. Eine ganz besondere Ausstellung können Besucher im Museum von Moravská Třebová (Mährisch-Trübau) erleben. Die Mumie der ägyptischen Prinzessin Hereret ist die erste antike Mumie in Tschechien, die mithilfe von Computertomographie und 3D-Modelling als lebensechtes Modell rekonstruiert wurde. Sie gehört zur ethnografischen Sammlung Ludwig Vincent Holzmaisters. Der aus Trübau stammende US-amerikanische Geschäftsmann sammelte auf seinen Reisen exotische Gegenstände aus Asien und aller Welt und vermachte sie nach seinem Tod dem Museum.

Exotische Sammlungen mit altägyptischen Mumien können Geschichtsfans zudem im Náprstek-Museum, einer Abteilung des Prager Nationalmuseums, und im Museum der mährischen Burg Buchlov (Buchlau) sehen. Besonders interessant ist die umfassende Sammlung des Anthropologen Aleš Hrdlička, der 1943 in den USA verstarb. Sein Museum des Menschen öffnete 1937 und zeigt neben zahlreichen Exponaten rund um den menschlichen Körper auch eine ägyptische Sammlung mit drei Mumien.

Die Katakomben von Klatovy sind im Internet unter www.katakomby.cz zu finden, über die Mumien von Vamberk informiert www.klasterbroumov.cz, die Kapuzinerkatakomben von Brno sind unter www.hrobka.kapucini.cz beschrieben, Informationen zu den Mumien von Frýdek-Mistek unter www.frydekmistek.cz, zu Kralovice auf www.kralovice.cz, Informationen über Mnichov unter www.ou-mnichov.cz, der einstige Sitz von Fürst Metternich präsentiert sich unter www.zamek-kynzvart.eu/de, Informationen über das Museum von Moravská Třebová und seine Sammlungen gibt es auf www.muzeummoravskatrebova.cz, das Náprstek-Museum ist auf der Homepage des Prager Nationalmuseums zu finden www.nm.cz, Burg Buchlov unter www.hrad-buchlov.cz sowie das Museum des Menschen unter www.muzeumcloveka.cz Allgemeine Informationen zu Reisen nach Tschechien gibt es bei CzechTourism, www.czechtourism.com