Mit dem kleinen Schwarzen auf Reisen

Eckard M. Geisler auf Tour in Suedengland ©Eckard M. Geisler

Als ich letztens mal wieder im Laufschritt auf Amsterdams weitläufigen Flughafen Schiphol umsteigen musste und die Gates weit auseinanderlagen, fiel mir ein Herr auf, der nach dem Aussteigen aus seinem Rucksack einen zusammengeklappten Roller auspackte und davonfuhr. Während ich abgehetzt am anderen Gate ankam, stand er schon ganz relaxt vorne in der Warteschlange. Im Flieger saß er dann zufällig vor mir und wir kamen ins Gespräch, in dem ich erkannte wie nützlich doch ein entsprechender Roller auch auf Reisen sein kann. Der besagte Herr war Eckard M. Geisler, Nordamerika-Fan, Westafrika-Kenner, Europa-Liebhaber – ein Mann, der immer gern auf Reisen geht. Besonders, wenn seine Frau dabei ist. Und sein HUDORA-Roller.

Eckard M. Geisler, Internationaler Referent beim CVJM Westbund (CVJM: Christlicher Verein Junger Menschen), bereist die Welt nicht nur aus beruflichen Gründen. Mit seiner Frau Sabine Frische-Geisler hat er schon sehr viele Ecken Europas und der Welt erkundet – die meisten davon auf zwei winzigen Rädern. Warum er seit gut 30 Jahren einen Roller auf nahezu jede Reise mitnimmt und warum er sich für ein ganz bestimmtes Modell entschieden hat, erzählt er mir während des Fluges im Interview.

1001REISETRAEUME *: Herr Geisler, welche Reisen haben Sie in den letzten Jahren unternommen?

Geisler: Dienstlich bin ich zum Beispiel viel in Ungarn und Österreich, aber auch in Westafrika unterwegs. Ghana, Sierra Leone. Urlaub machen meine Frau und ich gern in den USA oder Kanada, aber auch in deutschen und europäischen Städten. Da ist der Roller immer dabei. Die Straßen von San Francisco mit dem Roller runter, stellen Sie sich das vor!

1001REISETRAEUME: Da kriegt man richtig Tempo, oder?

Geisler: Sie sagen es! Und so ein Roller kann auch als Krankenwagen fungieren. Ich hatte mir beim Einsteigen in eine Vorortbahn in San Francisco einen Muskelfaserriss zugezogen. Das hat so geschmerzt, dass ich nicht laufen konnte. Aber ich wollte an dem Tag noch in Museen. Also habe ich das verletzte Bein auf den Roller gestellt und mit dem anderen angeschoben. Funktionierte gut, kann ich nur empfehlen.

Frau Geisler in Jerusalem ©Eckard M.Geisler
Frau Geisler in Jerusalem ©Eckard M.Geisler
1001REISETRAEUME: Was ist das Besondere am Reisen mit Roller?

Geisler: Mir macht das einfach einen Mordsspaß. Mit dem Roller lassen sich große Städte viel schneller erobern. Hinzu kommt die örtliche Unabhängigkeit. Man kann ad hoc etwas erkunden, ist spontaner. Dadurch erlebt man mehr als zu Fuß. Man düst zum Beispiel auch mal in einen schönen Hinterhof – zu Fuß schaut man da nicht hinein und geht meistens weiter. Außerdem bin ich mit dem Roller immer Exot, das ist eine interessante Erfahrung.

1001REISETRAEUME: Exot, mit Roller? Liegt das vielleicht auch daran, dass Sie, also …

Geisler: …. dass ich ein alter Knabe bin?

1001REISETRAEUME: So ungefähr.

Geisler: Natürlich. Mit Roller in meinem Alter, das ist ungewöhnlich.

1001REISETRAEUME: Wie reagieren die Leute darauf?

Geisler: Irgendwo in Deutschland haben mal Teenager gelacht, als sie mich sahen. Lass sie lachen. Im Ausland, wo das ja weniger ist mit den Rollern, gucken die Leute eher erstaunt, vor allem Gleichaltrige oder Ältere. Aber sehr positiv, sehr verhalten erstaunt, nach dem Motto: „Schau mal, das ist interessant“, die finden das nicht abstrus. Es gab noch nie negative Reaktionen, im Gegenteil: In Florida in Naples sind wir mal in einen Laden rein. Da sieht uns einer und ist völlig von den Socken. Da haben wir ihm gesagt, das ist ein Roller, von Hudora, kann man auch im Internet finden. Fand er cool.

1001REISETRAEUME: Seit wann fahren Sie Roller?

Geisler: Ich mache das seit 30 Jahren. Als wir vor sechs Jahren wieder hierhergezogen sind, in meine alte Heimat, habe ich bei meiner Nichte gesehen, dass die den Hudora BigWheel hatte. Den fand ich toll, unter anderem, weil er 100 Kilo trägt. Stabiles Teil. Ich habe erst danach mitbekommen, dass der aus meiner Gegend kommt, aus Remscheid.

1001REISETRAEUME: Wie wird man als Erwachsener zum Roller-Freak?

Geisler: Meine Kinder hatten damals einen. Das Aha-Erlebnis war, als wir nach Amerika gereist sind: Ich habe gesagt, ich nehme den Roller mit. Drüben bin ich dann damit durch San Francisco gefahren. Das fand ich klasse. Seitdem ist der Roller immer dabei. Wobei ich tatsächlich lernen musste, damit umzugehen. Wie fahre ich in die Kurve? Wie bewege ich mich? Wie halte ich mich gut darauf? Stichwort Gewichtsverlagerung und so.

Ehepaar Geisler in der Bretagne ©Eckard M.Geisler
Ehepaar Geisler in der Bretagne ©Eckard M.Geisler
1001REISETRAEUME: Sie sind viel in Städten unterwegs, wie Sie sagten. Welche sind für den Roller besonders geeignet?

Geisler: Marseille zum Beispiel. Das liegt ja quasi an einer langen Rampe. Da kann man mit der Straßenbahn hochfahren und dann gemütlich über die breiten Trottoirs runterrollen – genial. Paris ist auch klasse, Helsinki ebenfalls – nur den Tagesausflug nach Tallinn (Hauptstadt von Estland, d. Red.) muss man sich überlegen, da ist das Pflaster in der Altstadt ungeeignet. London macht auch Spaß, da ist es ziemlich flach und der Untergrund ist gut.

1001REISETRAEUME: Und wie ist das mit Landschaftstouren, zum Beispiel auf Wanderwegen?

Geisler: Wanderwege empfehle ich nicht, mit den relativ kleinen Rollen kommen Sie da nicht vorwärts. Aber in Südengland, an der Küste bei Brighton, hatten wir kürzlich auch Roller dabei, und wenn wir da ein schönes Dörfchen gesehen haben, nette Kirche, schöner Friedhof – Wagen geparkt, Roller raus, schnell durch den Ort gefahren. Das ist herrlich. Endlich mal wieder Oberschenkelmuskulatur aufbauen und an der frischen Luft sein (lacht). Per Roller ist man ganz anders unterwegs als nur mit Auto. Man ist Teil des Ganzen.

1001REISETRAEUME: Sie haben die Geschichte aus San Francisco erzählt. Welche Roller-Erlebnisse sind Ihnen noch im Gedächtnis geblieben?

Geisler: Wir waren zum Beispiel in Vancouver. Das ist eine herrliche Stadt, und man kann toll Roller fahren, gerade im Stanley Park. Wir fahren da also unsere Runden und kommen zu den berühmten Totempfählen, der Hauptattraktion des Parks. Da sehen wir einen Kameramann und einen älteren Herrn. Während wir vor den Totempfählen stehen, pirschen sich die beiden heran, und der ältere Herr fragt, ob er mit uns ein Interview machen kann.

1001REISETRAEUME: Ein Fernsehteam?

Geisler: Ja. Ich hatte schon Sorge, dass wir à la versteckte Kamera oder so durch den Kakao gezogen werden. Er stellte sich vor: Mike McCardell, BC-TV. Sagte mir und meiner Frau natürlich nichts. Wir haben uns in die Augen geguckt und überlegt: Es kann eigentlich nichts passieren, uns kennt hier ja kein Mensch. Also haben wir eingewilligt. Es war offensichtlich interessant, dass da ältere Herrschaften – wobei meine Frau zwölf Jahre jünger ist als ich – mit Rollern unterwegs sind.

1001REISETRAEUME: Der Exoten-Effekt?

Geisler: Genau. Wir haben auf dem Parkplatz eine Runde gedreht und ein paar Slapsticks gegeben. Dann sollte ich zeigen, wie toll der Roller zusammenzufalten ist. Das gelang mir nicht gleich, ich hatte den Lenker nicht so gerade gehalten, dass er einrastete – keine gute Werbung, das muss ich nochmal üben. Der springende Punkt war jedenfalls: Dieser Mann, Mike McCardell, ist die Nachrichten-Koryphäe des öffentlichen TV-Senders in British Columbia.

1001REISETRAEUME: Wurde der Film ausgestrahlt?

Geisler: Ja. Mike McCardell macht jeden Abend eine Feel-Good-Story. Er hat einen festen Slot am Ende der Nachrichten, drei, vier Minuten, für die er morgens mit einem Kameramann losfährt, auf gut Glück. Wir sind also nach Hause und haben uns vor den Fernseher geklemmt, Fotoapparat auf Film gestellt. Dann saßen wir da. Das war reizend, ganz, ganz schön. „Love on the Scooter“ wurde das angekündigt vom Moderator, und auch die Slapsticks waren sehr nett kommentiert.

1001REISETRAEUME: „Love on the scooter “?

Geisler: Am Ende im Park hatten wir nochmal die Totempfähle bestaunt, ich machte ein Foto und küsste meine Frau. Da war er nochmal zu uns gekommen: „Ist das richtig, Ihr gehört zusammen?“ „Jawohl.“ „Würdet ihr das nochmal vor der Kamera machen?“ Haben wir gemacht.

1001REISETRAEUME: Das Happy End?

Geisler: Noch nicht ganz. Er hat uns die Sendung noch auf DVD vorbeigebracht, zur Überraschung unserer Wohnungsvermieterin (lachend). Die war total baff, als da plötzlich dieser Promi im Türrahmen stand. Mike hat auch einige Bücher veröffentlicht über seine Kurzbegegnungen.

1001REISETRAEUME: Und Sie selbst sind jetzt auch ein Promi in British Columbia?

Geisler: Das Ganze passierte an unserem zweiten Tag in Vancouver. Danach sprach uns ständig jemand an. Gleich am nächsten Tag waren wir Downtown shoppen – mit Roller im Kaufhaus. Jemand sagte: „Seid ihr nicht die aus dem TV?“ Wir standen erst auf der Leitung, aber dann kam noch jemand, und es dämmerte uns: Es scheint hier Leute zu geben, die Fernsehen gucken.

Fertig zum Einsteigen ©Eckard M.Geisler
Fertig zum Einsteigen ©Eckard M.Geisler
1001REISETRAEUME: Wählen Sie das Reiseziel danach aus, ob es zum Scooter passt?

Geisler: Nein. Aber wenn wir unterwegs sind, schauen wir schon mal bei Google Maps oder Streetview rein, um den Untergrund zu checken. Israel zum Beispiel, da bringt der Roller nicht viel. Aber lange Promenaden wie kürzlich in Brighton oder in der Bretagne, sind häufig sehr gut zu befahren, da kann man richtig Kilometer machen. In Städten ist der Scooter eine super Ergänzung zu anderen Transportmitteln – und teilweise die bessere Alternative.

1001REISETRAEUME: Was sind die Vorteile, etwa im Vergleich zum Fahrradfahren oder öffentlichen Verkehrsmitteln?

Geisler: Nehmen Sie Flugreisen: Wir haben da immer einen Mietwagen vor Ort und den Roller, um möglichst mobil sein. Fahrrad im Flieger habe ich noch nie probiert, aber das wäre mir zu umständlich. Ich habe inzwischen den Hudora Tour, der ist besonders praktisch zusammenklappbar und man kann ihn einfach ins Bordcase reinpacken.

1001REISETRAEUME: Und der Vergleich zum öffentlichen Nahverkehr?

Geisler: Wenn ich dienstlich in Deutschland unterwegs bin, selbst für einen Tag, habe ich den Roller oft dabei. Ich bin mal im Zug nach Bad Bentheim und habe bewusst eine Stunde Übergang in Münster eingebaut: einmal in die City reingerollt und wieder raus. Im Bus, Taxi oder in anderen öffentlichen Verkehrsmitteln komme ich lokal auch von A nach B, sitze aber in der Dose. Mit dem Roller ist der Weg schon das Ziel. Und ich kann improvisieren, ich bin nicht vom Fahrplan abhängig.

1001REISETRAEUME: In der Regel sind Sie auf Gehwegen und ähnlichem unterwegs. Kam es da schon mal zu Schwierigkeiten mit anderen Verkehrsteilnehmern?

Geisler: Nein. Das gab es nie. Aber klar passt man seine Fahrweise auch an, wenn da viele Menschen laufen oder die Wege eng sind. Manchmal laufen wir dann auch selbst. Das ist ja nicht schlimm, das Ding rollt ja mit.

1001REISETRAEUME: Wie lange sind die Strecken ungefähr, die Sie im Urlaub pro Tag fahren?

Geisler: Wir haben keinen Schritt- oder Kilometerzähler dabei, aber da kann einiges zusammenkommen. Im Urlaub gehen wir oft um 10, 11 Uhr aus dem Haus und kommen um 17, 18 Uhr zurück. Und wenn wir eine Großstadt anschauen und irgendwo am Stadtrand parken, sind wir bis auf eine Mittagspause oder so den ganzen Tag unterwegs. Eine Stadt ist ja etwas Lebendiges, Individuelles. Das wollen wir uns erschließen, indem wir unterwegs sind, die Baustile anschauen und Entdeckungen machen. Wenn das Wetter mitspielt, fahren wir oft zehn Kilometer oder mehr.

1001REISETRAEUME: Was ist der Punkt beim Wetter: Regen, Hitze?

Geisler: Nässe kann schwierig sein. In Brighton zum Beispiel hatten wir Glück, trotzdem gab es zwei, drei Regentage. Da bleibt man entweder zuhause oder ist anders unterwegs. Es gibt ja Böden, die mit Marmor gefliest sind oder die den Staub anziehen. Wenn diese feucht sind, ist das Bremsen schwieriger und man muss vorsichtiger fahren.

1001REISETRAEUME: Wie ist es mit der Fitness? Wie fühlen Sie sich nach so einer Reise oder einem langen Tag mit Roller – Muskelkater?

Geisler: Also, das ist toll. Ich sitze beruflich ja viel im Zug oder fahre Auto. Und ich habe auch nicht die Zeit oder Disziplin, regelmäßig in ein Fitnessstudio zu gehen. Von daher mache ich an den ersten zwei, drei Tagen oft eine Entdeckung: Da ist ja noch ein Muskel! Endlich mal wieder was für die Oberschenkel gemacht! Das kann schon etwas weh tun, aber nicht böse – man spürt einfach, dass man sich bewegt hat. Nach 14 Tagen merke ich einen richtigen Fitness-Effekt. So ein Roller ist zweifellos ein Sportinstrument.

1001REISETRAEUME: Was machen Sie, wenn die Beine müde werden: Anschub- und Standbein wechseln und weiter?

Geisler: Sicher. Ich habe zwar rechts Hüftprobleme, aber je nach Verfassung, ob es ziept oder nicht, kann ich einfach wechseln, auch während der Fahrt. Das geht gut, irgendwann macht man das fast automatisch.

1001REISETRAEUME: Und zuhause fahren Sie weniger?

Geisler: Da bin ich noch zu faul. Wenn ich mal in Rente bin, werde ich das wahrscheinlich öfter tun. Rucksack auf und ab zum Bäcker. Obwohl: Bei uns im Bergischen Land ist es steil.

1001REISETRAEUME: Was gefällt Ihnen an Ihrem Hudora Tour so besonders, außer dass er kompakter und leichter ist als sein Vorgänger?

Geisler: Im Vergleich zu anderen Modellen ist das Fußbrett größer, das ist sehr angenehm. Und das Hinterrad, also das Bremsrad ist kleiner als das Vorderrad. Dadurch lässt es sich sehr schön bremsen. Die Bremse wirkt sowieso sehr stabil.

1001REISETRAEUME: Nutzt ihre Frau auch den Tour. Was ist ihr Fazit? Nimmt sie das Fahren anders wahr als Sie?

Geisler: Nein. Sie ist auch begeistert. Roller fahren ist etwas, dass wir beide leidenschaftlich gern tun. Und leidenschaftlich gerne zusammen.

1001REISETRAEUME: Haben Sie noch einen Insider-Tipp für einen Roller-Urlaub?

Geisler: Unterwegs ist es gut, ein Sitzkissen im Rucksack zu haben.  Denn wenn es dann kühler ist, im Frühjahr oder so, kann man sich draußen irgendwo gemütlich hinsetzen und sein Würstchen essen.

 

Ein paar Wochen nach unserem gemeinsamen Flug und Gespräch schickte Herr Geisler mir per Mail Bilder* von sich mit seinem Roller auf verschiedenen Reisen und den Hinweis, dass er jetzt zu Weihnachten von seiner Frau eine neuen Roller bekommen hat, den neuen Hudora Tour 200 mit größeren Rädern, welche das Rollern schneller und komfortabler machen. So kann er jetzt wohl auch auf Wanderwegen und Kopfsteinpflaster rollern. Ich glaube Herr Geisler hat mich neugierig gemacht und vielleicht habe auch ich bald einen Roller auf Reisen dabei.

* Für 1001REISETRAEUME stellte ich, Detlef Düring, die Fragen

* Bilder ©Eckard M Geisler