Marzadro, ein hochprozentiger Geheimtipp

Marzadro-©Diana-SeufertEs ist eine kongeniale Symbiose: Aus dem Trester der Weintrauben destilliert man bei Marzadaro in der norditalienischen Provinz Trentino exzellente Grappas.

Ein intensiver Geruch steigt in die Nase. Gerade ist ein Laster mit neuem Trester eingetroffen. Frisch gepresste Trauben des Gewürztraminers aus einer Nachbargemeinde. Schnell rinnt die Masse in die Silos. Lange wird sie dort aber nicht lagern: „Nur ein frischer Trester mit einer guten Qualität ermöglicht auch ein gutes Produkt“, ist die Philosophie des Hauses.

„Der Grappa ist eine emotionale Reise im Mund“, schwärmt der junge Mitarbeiter des Unternehmens, der uns durch die Räume in Nogaredo begleitet.  Auf diese sinnliche Reise schickt er uns anschließend bei einer kleinen Verkostung. Er hat ein ganz besonderes Tröpfchen ausgewählt: einen Cuvee aus Grappas, die in vier verschiedenen Hölzern 18 Monate gelagert wurden. Die Destillate aus Cabernet, Moscato, Marzemino, der autochthonen Sorte Teroldego und Chardonnay bilden die Grundlage für einen besonders weichen, honigfarbenen Grappa. Dunkel, aber im Geschmack noch geschmeidiger ist das Getränk, wenn es weitere 18 Monate in einem Portweinfass aufbewahrt worden ist.

Marzadro ©Diana Seufert
Marzadro ©Diana Seufert

Der Rundgang, der uns und jedem Interessierten einen Blick in die Produktionsräume ermöglicht, führt ins Herz des Gebäudes – der Destillation. Zwischen September und Dezember ist die Grappa-Produktion im vollen Gang. Dann sind die kupfernen Kessel und acht kreisförmig angeordnete Destillierkolben rund um die Uhr im Einsatz und holen aus dem „Traubenabfall“ noch ein besonderes Tröpfchen heraus. 90 Prozent des gesamten Tresters bezieht Marzadro aus der Region, dem Trentino.

Der Trester in den Kupferkesseln wird langsam erwärmt. Früher geschah dieser Vorgang mit Feuer. Doch die Hitze beschleunigte die Destillation zu sehr und man musste das Feuer stets im Auge behalten.  Mittlerweile nutzen die Brandmeister Destillierkolben aus Kupfer für das diskontinuierliche Verfahren im Wasserbad. Sanft erwärmt im Wasserdampf, kann das Destillat so sein ganzes Aroma entfalten.  Ähnlich wie Whisky, der mehrfach gebrannt wird, führt man das Destillieren zweifach durch, allerdings in nur einem vollautomatischen Arbeitsprozess. Nach vier Stunden ist der Brand quasi fertig – mit einem Alkoholgehalt

von 80 Prozent. Trinkbar ist das nicht. Das „Herzstück“ des Grappa wird mit Wasser auf die Hälfte des Alkoholgehalts „verdünnt“ und schließlich in Fässer abgefüllt.  In den großzügigen Reifekammern darf der Grappa anschließend mehrere Monate ruhen und seinem vollen Ge

Marzadro ©Diana Seufert
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schmack entwickeln.

Rund 100 Brennereien gibt es in ganz Italien, Marzadro ist eine von rund 30 im Trentino. 1949 von Attilo Marzadro in Brancolina gegründet, wird das Familienunternehmen nun in der dritten Generation fortgeführt. Seit 2004 rund einen Kilometer vom Gründungsort, in Nogaredo – auf Attilas früherem Weingarten.

Mit dem ersten Grappa aus nur einer Rebsorte, aus Marzemino-Trauben aus dem Ort Isera, setzte man dann 1975 Meilensteine.  Aus der Not eine Tugend machten die Kinder des Firmengründers Attila Marzadro 1989: Um sich auf dem Markt zu behaupten, wurde ein Heidelbeer-Likör auf Grappa-Basis konzipiert.

Marzadro ©Diana Seufert
Marzadro ©Diana Seufert

Unter einem grünen Dach darf der Brand zur endgültigen Reife gelangen. Denn der Neubau der Lagerhalle wurde komplett begrünt und so auch ein Beitrag für den Umweltschutz geleistet. Zudem fügt sich die Halle so auch hervorragend in die Landschaft mit den umgebenden Weingärten ein.

Der Lagerraum lässt dabei das Herz eines jeden Grappa-Freundes höherschlagen. In Fässern auch Eiche, Esche, Akazie oder Kirsche nimmt der Grappa über die Monate den Geschmack und die Färbung des Holzes in sich auf.  2009 entstand der Wunsch, etwas Einzigartiges zu schaffen. Und so experimentieren die Marzadros mit einer anderen Lagerung: in tönernen Amphoren. Zehn Monate bleibt die destillierte Flüssigkeit in den großen Tonkrügen.

Dem schlechten Ruf, den der Grappa bei vielen Italienern genießt, will man beim Familienunternehmen in Nogaredo im unteren Etschtal entgegensteuern. Insgesamt zwölf verschiedene Destillate wollen dem Gaumen schmeicheln.  Daneben hat man auch verschiedene Liköre im Angebot. Und mit Anna Marzadro produziert das Familienunternehmen in Riva del Garda, am nördlichen Gardasee, auch Olivenöl.

Weitere Informationen unter www.marzadro.it

Marzadro ist in Nogaredo, Autobahnabfahrt Roverto (am Gardasee) leicht zu finden. Das Gebäude ist übrigens direkt von der Autobahn aus zu sehen.