Ist der Brexit das Aus der EU-Fluggastrechte?

Viele Flüge fallen durch den Brexit nicht mehr unter die EU-Fluggastrechteverordnung

Mit dem Ablauf der Übergangsperiode ist seit dem 1. Januar 2021 die EU-Fluggastrechteverordnungen im Vereinigten Königreich nicht mehr gültig. Mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union verlieren Fluggäste auf vielen Flügen nun diese Anspruchsgrundlage.

Die EU-Fluggastrechte kurz erklärt

Seit 2005 stärkt EU-Verordnung 261 die Rechte europäischer Fluggäste. Sie sichert Fluggästen nicht nur finanzielle Entschädigung bei Flugunregelmäßigkeiten, sondern auch eine Rückerstattung des Ticketpreises binnen sieben Tagen nach Annullierung des Fluges zu. Anwendung findet die Fluggastrechteverordnung auf alle Flüge, die in der EU starten und alle Flüge, die in der EU landen, sofern sie von einer Fluggesellschaft mit Sitz in der Europäischen Union ausgeführt wurden. Da das Vereinigte Königreich nun als Drittstaat gilt, fallen viele Flüge in Europa nicht mehr unter die EU-Verordnung, die bis zum letzten Jahr noch darunterfielen.

Was ändert sich nun?

Für alle Flüge von British Airways, Easyjet und Co., die im Vereinigten Königreich starten, findet Verordnung 261 keine Anwendung mehr. Allerdings nimmt das Vereinigte Königreich nun Fluggastrechte für eben diese Flüge in seine nationale Gesetzgebung als “The Air Passenger Rights and Air Travel Organisers’ Licensing Regulations 2019” (APR) auf. Diese scheinen der EU-Verordnung zumindest stark zu ähneln und haben eine Aufrechterhalt der EU-Fluggastrechte als Ziel. Was sich beispielsweise ändert, ist die Höhe der Entschädigungszahlungen im Fall einer Flugunregelmäßigkeit. Für Kurzstrecken soll es anstelle von 250 € nun 220 £ geben. Flugunregelmäßigkeiten auf Mittelstrecken sollen mit 350 £ anstelle von 400 € entschädigt werden und die Summe für Langstrecken sinkt von 600 € auf 520 £.

Durchsetzung der Fluggastrechte wird komplizierter

Die Reiserechtsexperten des Fluggastportal Aviclaim haben die neue Rechtslage analysiert und können Fluggäste zunächst beruhigen. “Einen Anspruch auf Rückerstattungen bei Flugausfällen oder Entschädigung bei Flugunregelmäßigkeiten wird es auf den meisten Flügen in Europa weiterhin geben.”, so Erik Preisigke von Aviclaim “Was sich allerdings auf manchen Flügen ändern wird, ist die Anspruchsgrundlage. So fällt beispielsweise ein Flug von British Airways von London nach Frankfurt nicht mehr unter die EU-Verordnung, sondern unter die neue nationale Gesetzgebung des Vereinigten Königreichs.”

Für viele Flüge werden Fluggäste also weiterhin zumindest essenzielle Rechte haben. Doch es wird gleichzeitig auch komplizierter, diese Ansprüche tatsächliche durchzusetzen. Der durchschnittliche Fluggast startet nämlich kein Gerichtsverfahren außerhalb der EU. Aviclaim rechnet daher damit, dass trotz vorhandener Anspruchsgrundlage die Anzahl der Passagiere, die ihr Recht tatsächlich durchsetzen, zurückgehen wird