Ist das Qualitätsmanagement von LeadingCampings nur eine Mogelpackung, eher Marketing statt Qualität?

LeadingCampings ist ein Verein von Campingplatzbesitzern und – betreibern, die sich von dem Anspruch nach mehr Qualität auch einen Wettbewerbsvorsprung versprechen. Doch jahrelang wurde die Qualität, die sich nicht nur in der Ausstattung, sondern vor allem in dem Verhalten dem Gast gegenüber ausdrückt, nie qualitativ überprüft, wie es in der Hotellerie schon immer üblich ist und auch die Namensgebung vermuten lässt. Denn gerade die Leading Hotels Of The World sind für das beste Qualitätsmanagement und umfangreichstes Mystery-Guest-System bekannt.

Bei dem namensähnlichen Verein von Campingplätzen, den LeadingCampings, wurde erst Anfang 2008, vierzehn Jahre nach ihrer Gründung 1994, ein Qualitätsmanagement installiert. Auf einer Messe hatte ich deren Geschäftsführer darauf angesprochen, der wohl selber schon mal seit einiger Zeit daran dachte. So entwickelten wir gemeinsam einen umfangreichen Qualitätsbewertungsbogen für die Mitgliedscampingplätze, der Grundlage für zukünftige Mystery-Checks sein sollte. Da ich bereits schon sehr viele Jahre als Unternehmensberater für die Hotellerie im Qualitätsmanagement tätig war, wozu auch u.a. die Entwicklung und Durchführung von Mystery-Checks gehört, brachte ich meine Erfahrung entspechend mit ein. Auch entsprechende Beratungsunterstützung und Nachschulungen vor Ort wurden von mir ins Gespräch gebracht. Der Geschäftsführer fand diese Ansätze ebenfalls richtig und gut, wollte aber diese auf einen späteren Zeitpunkt verschieben und nur selber im Anschluss an einen Test mit den Besitzern reden. Zwischen Test und diesem Gespräch vergingen aber meist Wochen und oft sogar Monate.

Die zur Verfügung gestellte Vergütung für die Tester, ein „Zuschuss“ von 200 Euro plus einige Spesen, ist so minimal, dass damit eigentlich nur Laien zu beauftragen sind, die es als kleinen Zuschuss für die Urlaubskasse sehen, aber vorrangig Urlaub machen wollen und den professionell-kritischen Blick so nicht haben. Viele Mystery-Checks wurden von mir selber durchgeführt, weil mir auch vom Geschäftsführer versprochen wurde, später damit bei LeadingCampings auch die Qualitätsberatung als Verbandsleistung mit fairer Vergütung anbieten zu können. Doch dieser Zeitpunkt wurde auf seine Bitten hin immer wieder hinausgeschoben. Meistens besuchte ich, auch um Spesen für Leading zu sparen, mehrere Campingplätze für Mystery-Checks hintereinander und legte die Routen entsprechend. Die geringe Bezahlung nahm ich in Kauf, weil ich es als Investition für zukünftige Aufträge sah und auch einiges mit meinem zweiten beruflichen Standbein als Journalist verknüpfte. Manchmal allerdings fragte ich mich, warum ich versuchte, meine Spesen gering zu halten, während z.B. andere Mystery-Guests in Absprache mit dem Geschäftsführer zu einem einzigen Campingplatz flogen, der für mich nur einen Umweg von 40 Kilometer bedeutet hätte. Manche Mystery-Guests sind auch ausschließlich in Mobilhomes unterwegs, besitzen weder Caravan, noch Wohnmobil oder Zelt. Überhaupt gibt es nur wenige Mystery-Guests und deren Schulung war meist nur ein Gespräch beim Essen und Telefonate mit dem Geschäftsführer.

Eigentlich sollte jeder Kandidat der neu bei LeadingCampings aufgenommen werden sollte, vorher von einem Mystery-Gast bewertet werden. doch nicht selten geschah dieses auch nur durch den Besuch des Geschäftsführers, der ja nicht unbedingt als ein neutraler Mystery-Gast gelten kann.
Was aus den Ergebnissen meiner Bewertungen geworden ist, habe ich leider nur selten erfahren und weiß auch nicht, ob diese vor Weitergabe noch geändert, gekürzt oder ergänzt wurden. So hat es mich auch gewundert, wenn deutliche Warnungen von mir bei einigen anstehenden Neumitgliedern, nicht berücksichtig wurden, waren sie dem Vorstand und den Mitgliedern vielleicht nicht bekannt?

Bei einigen nicht so gut bewerteten Mitgliedsplätzen wurde reagiert und Fristen gesetzt, bei anderen wurde oft nicht reagiert, weil man vielleicht dieses Mitglied nicht verärgern wollte, auch wenn das LeadingCampings Mitglied bei weitem nicht mehr der beste Platz in seiner Region ist. Bessere Plätze in der Region werden leider nicht unbedingt als Ansporn gesehen, die eigenen Leistungen zu verbessern. So sind inzwischen andere Plätze in einigen Regionen innovativer und mit großen Investitionen oft auch komfortabler ausgestattet, wie u.a. im bayrischen Bäderdreieck, im Salzburger Land und auch anderen Regionen.

Manchmal sind bessere Campingplätze aus nicht nachvollziehbaren Gründen als Mitglied nicht erwünscht oder bewerben sich erst gar nicht, so gibt es gerade in dem Camping-Vorzeigeregion Kärnten keinen einzigen LeadingCampings-Platz. Auch das frühere Mitglied war meiner Einschätzung nach nicht unbedingt der beste Campingplatz in Kärnten. Vorzeigeplätze wie z. B. Burgstaller oder Schluga sucht man vergebens bei den LeadingCampings, aber auch in vielen anderen bei Campern beliebten Regionen, wie z.B. im Bayrischen Wald, Baden-Württemberg oder Korsika, sucht man LeadingCampings vergeblich, obwohl es dort hervorragende Campingplätze gibt. Manche Region würde auch mehrere LeadingCampings vertragen, gerade wenn es dort noch Bessere gibt, aber leider scheint man da bei LeadingCampings nicht drüber zu stehen.

Überhaupt die Verbandspolitik von LeadingCampings bei der Auswahl neuer Mitglieder ist manchmal ein Buch mit sieben Siegeln, Persönliches und Konkurrenzgedanken beeinflussen vieles. Anderes aber ist offensichtlich, wie z.B. dass die Akzeptanz von für den Gast preisgünstigen Camping Cheques in der Vor- und Nachsaison ein Knock-Out-Kriterium für eventuelle Kandidaten ist. Aber viele hervorragende Campingplätze bewerben sich wahrscheinlich auch aus unterschiedlichsten Gründen erst gar nicht.

Bei einer Mitgliederversammlung von LeadingCampings 2014 auf dem Platz eines neuen Mitglieds in Südfrankreich, der laut meiner Empfehlung nach dem vor der Aufnahme durchgeführten Mystery Checks nie ohne deutliche Nachbesserungen hätte Mitglied werden dürfen, fragten sich die anwesenden Mitglieder ebenfalls, ob dort der Qualitätsanspruch wirklich erfüllt sei. Ich weiß nicht, ob meine Beurteilung dem Vorstand und auch den Mitgliedern vor der Aufnahme ungeschönt und vollständig zur Kenntnis gegeben wurde, denn wie hatte er überhaupt Mitglied werden können? Und das obwohl auch ein Vorstandsmitglied sich zusätzlich zum Mystery-Check, Aufnahmekandidaten unter Qualitätsgesichtspunkten vorher anzusehen hat; auch eine Mitgliederentscheidung aufgrund von Erfahrungen mit einem ebenfalls von mir mit Bedenken gewerteten und trotzdem aufgenommenen Platzes.
Als Konsequenz wurde von den Mitgliedern die Berufung eines Qualitätsmanagers gewünscht. Doch entschied sich der Vorstand hier lieber einen ehemaligen ADAC-Manager zu nehmen, der u.a. jahrelang für die Schulung deren Inspektoren zuständig war. Wobei der ADAC immer nur eher nach den Ausstattungskriterien schaut, nicht nach den sogenannten Softfacts, der Qualität, die eigentlich das Wichtigste sein sollte um ein führender (leading) Campingplatz zu werden. Doch versprach sich der Vorstand von seiner Wahl eher mehr Öffentlichkeitswirksamkeit, und die ist für ihn eben anscheinend wichtiger als fachliche Unterstützung und KnowHow.

Auch wurde nachdem jahrelang kaum genügend Geld für Qualitätsmanagement da war, jetzt der zur Verfügung stehende Etat um weit über 100 % aufgestockt. Aber nicht um mehr Geld für qualitative Mystery-Checks und qualitative Beratung zu haben, nein , sondern um ein auffälliges, leihweise zur Verfügung gestelltes, Leading-Qualitätsmobil entsprechend optisch aufzubereiten, damit es werbewirksam auf Messen und vielleicht auch mal auf einem Campingplatz für Aufmerksamkeit sorgt. Damit soll der Werbeslogan nach „mehr Qualität“ auf Seite 30 des aktuellen Leading Campings Kataloges wohl unterstrichen werden, wobei die Qualität dadurch keinesfalls weder sichergestellt noch verbessert wird, eben mehr Marketing als Qualität. Und worin unterscheidet sich LeadingCampings dann zu anderen Marketingverbünden im Campingbereich?