Gedanken zum Tourismus als Zeichen für Symbolpolitik

Uns alle, die das Reisen lieben, bewegt zurzeit einiges, von Lockdown light und Quarantäneverordnungen über eine Sperrstunde um 21 Uhr bis hin zu der Situation der Kulturschaffenden, der Hotels und Restaurants. Die Gedanken, die eine große, auf Tourismus spezialisierte, Münchener PR-Agentur dazu hat, möchte ich hier gerne teilen. Dabei soll keinesfalls politisiert oder provoziert werden, allerdings soll zum Nachdenken, Diskutieren und Schreiben ermutigt werden, als ersten Schritt zu mehr Austausch und Diskurs in unserer Branche. Wir sollten nicht nur die Nachrichten und Entwicklungen in unserer Branche mit Sorge betrachten, sondern auch unsere Meinungen offensiver kundtun und vertreten. Es geht schließlich um die Zukunft einer ganzen Branche, die nicht nur weltweit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, sondern auch für Erholung, Urlaub und natürlich Geschäftsreisen steht.

Der Tourismus als Zeichen für Symbolpolitik?

Seit dem 28. Oktober steht der „Lockdown light“ in Deutschland fest. Schwierige Situationen verlangen nach ernsten Schritten und angesichts der steigenden Infektionszahlen ist die Härte der Maßnahmen, solange sie zeitlich beschränkt bleiben, verständlich. Die Frage ist: Was kommt dann? Besonders mit Blick auf die Wintersaison wäre es wünschenswert, wenn die Konzepte zur Eindämmung der Pandemie auf die Felder abzielen, die für das Infektionsgeschehen auch brisant sind. Das Reisen an sich und das Übernachten in Hotels gehören da derzeit nicht dazu.

Na endlich: Mit den neuesten Entwicklungen fanden es die Hotel- und Reisebranchevertreter nun an der Zeit, mit mehr oder weniger eindeutigen Statements an die Öffentlichkeit zu gehen. „Der momentane Umgang der Politik mit dem Tourismus ist unsachlich und diskreditierend“ – eine deutliche Aussage die Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) tätigte und damit als einer der Ersten klare Worte zur momentanen Lage der Reisebranche fand. Weitere Statements vom Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Thomas Bareiß, DEHOGA-Präsidenten Guido Zöllick oder Michaela Rabe vom BTW folgten. Ganz schön zögerlich, wie wir finden. Es fällt auf, dass es den Vertretern offensichtlich schwerfällt, mit gemeinsamer lauter Stimme für ihre Branche zu sprechen. Dabei zeichnet sich die Ungerechtigkeit gegenüber der Tourismuswirtschaft doch schon seit längerem ab: Pauschalisierte Quarantäneverordnungen, Beherbergungsverbote, inflationäres Verhängen von Reisewarnungen – die Liste ist lang.

Normalerweise hört die Politik als erstes auf das RKI

Wir sind der Meinung, dass die Politik schon seit längerem Stimmung gegen das Reisen macht, ohne dafür belastbare Zahlen zu liefern, die belegen, dass Urlaub und Reisen das Infektionsgeschehen in die Höhe treiben. Die bisher veröffentlichten Daten des Robert Koch-Institut zum Infektionsumfeld von erfassten COVID-19-Ausbrüchen in Deutschland lassen eher einen anderen Schluss zu. Auf der Pressekonferenz am 21. Oktober 2020 fasste Lothar Wieler, Präsident des RKI, die Ergebnisse folgendermaßen zusammen: Die Anzahl der Ausbrüche in privaten Haushalten nehme deutlich zu. Infektionen in Verkehrsmitteln spielten dagegen keine große Rolle. In Hotels kämen Ansteckungen ebenfalls sehr selten vor.
Grafik aus dem RKI-Lagebericht vom 20.10.20 © Robert Koch-Institut

Hygieneregeln in den Hotels funktionieren

Die Faktoren Gaststätten, Hotels und Verkehrsmitteln sind beim Anstieg der Fallzahlen also eher vernachlässigbar, was gleichzeitig bedeutet, dass die Schutzmaßnahmen hier funktionieren. Das ist für die Hotellerie auch nicht weiter verwunderlich. In den meisten Hotels hat sich eine reibungslose Hygieneroutine längst eingespielt, dazu wurde Vieles im täglichen Ablauf angepasst:

–        Zwei Schichten beim Abendessen

–        Kein Frühstücksbuffet

–        Getestete Mitarbeiter

–        Covid-19 Testmöglichkeiten im Haus – häufig sogar kostenlos.

Trotzdem steht die Reisebranche derzeit im zweiten Lockdown. Schon der erste Appell der Bundeskanzlerin, auf unnötige Reisen zu verzichten, sorgte für eine Stornierungswelle. Seit der Ausweitung der Reisewarnungen zum 24. Oktober 2020 stehen viele betroffene Hotels vor der Entscheidung ihre Betriebe vorerst wieder zu schließen.

Was wäre wünschenswert?

Wünschenswert wäre, dass die Politik sich der Sache differenzierter annimmt. Die Ankündigung des Bundes, Einbußen mit 75 Prozent des Umsatzes vom November 2019 zu entschädigen, ist ein erster Schritt, um der Branche wieder auf die Beine zu helfen. Nun müssen weitere Hilfen und ein sehr viel maßvolleres Vorgehen hinsichtlich Reisewarnungen angeht folgen, um Betriebe und Arbeitsplätze auch langfristig zu retten.

Wünschenswert wäre, dass Hoteliers, Gastronomen und Touristiker stärker an die Öffentlichkeit gehen und über ihre dramatische Situation berichten. Dazu müssen die Vertreter der Branche entschlossener für ihre Mitglieder einstehen und Druck auf die politischen Entscheider ausüben. Lange Zeit lief es für die Reisewirtschaft so gut, dass eine gemeinsame und laute Stimme nicht von Nöten war. Diese Zeiten sind nun vorbei.

Wir sind wohl alle bereit, uns im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus im Privaten einzuschränken. Damit einher geht ein erhöhtes Stresslevel, mögliche Einsamkeit im Home-Office und vielleicht wieder eine Doppelbelastung durch die Kinderbetreuung daheim. Dafür brauchen wir dann aber auch wieder Auszeiten, wie beispielsweise Urlaubsreisen, um Kraft zu tanken. Zumal gerade die Hotels, Restaurants, Kulturinstitutionen und alle in der Branche besonders bemüht sind, alle Sicherheits- und Hygienemaßnahmen einzuhalten, die Anzahl der Kontakte wirklich einzuschränken und nachvollziehen zu können – und einfach alles für ein sicheres Reisen zu tun!