Felbertauernstrasse – Nicht Route 66, sondern Route 108

Die Felbertauernstraße ©Martin Lugger

Die Route 66 kennt fast jeder, auch wenn nur wenige Deutsche sie schon gefahren sind, bei der Landesstrasse 108 in Österreich ist es umgekehrt, die sind die meisten schon gefahren, allerdings kennt man sie besser als Felbertauernstrasse.

Sie ist inzwischen über 50 Jahre alt, aber keineswegs in die Jahre gekommen, sondern immer besser und moderner geworden, was ihrer Bedeutung als eine der wichtigsten und preiswertesten Verkehrsverbindungen zwischen Deutschland-Österreich-Italien entspricht.

Vor über 50 Jahren war es sehr beschwerlich nach Osttirol oder von Osttirol in die eigene Landeshauptstadt Innsbruck zu kommen. Es blieb nur eine lange Bahnfahrt übrig, aber noch besser als der zeitraubende Umweg mit dem Auto über Kärnten und Salzburg. Und somit war man auch von jeglichem Tourismus abgeschnitten.

Aber dann wurde 1967 die Felbertauernstraße eröffnet und nicht nur Osttirol hatte endlich eine direkte Straßenverbindung in den Norden, auch Touristen kamen nun immer mehr nach Osttirol. Brenner und Tauernautobahn wurden erst viel später gebaut.

Karl Poppeller, Vorstandsdirektor Felbertauernstraße AG ©Detlef Düring

Der Alpenübergang brachte der gesamten Region Wohlstand, wie Karl Poppeller, Vorstandsdirektor der Felbertauernstraße AG, betont: „Mit der Verkehrsfreigabe war der Beginn der Erfolgsgeschichte als Wirtschaftsstraße und Lebensader der Region, insbesondere für Osttirol, gelegt.“ Der Tourismus blühte regelrecht auf, denn nicht jeder fuhr ans Meer weiter, sondern genoss die Vorzüge Osttirols.

Und auch heute ist die Felbertauernstraße für Touristen eine schnelle und meist staufreie Verbindung in den Süden. Vor allen Dingen ist sie auch deutlich preiswerterer, muss doch auf dem Brenner oder der Tauernautobahn doppelt oder dreifach Maut gezahlt werden, meist verbunden auch noch mit Stau und Wartezeiten. Die Felbertauernstraße ist, wenn man am Bundesstraßen-Grenzübergang Kiefersfelden von der A12 abfährt, ohne Autobahnbenutzung zu erreichen.

Und weil die Felbertauernstraße bei der Maut keinen Unterschied zwischen Pkw, Wohnmobil, Camping-Bus oder Gespann macht, ist diese Route besonders für Camper interessant. So kann man je nach Größe des Gefährts auf Einsparungen von bis zu 60 Euro pro Strecke kommen.

Staunen statt Stauen

Aber eigentlich ist das alles nur Nebensache, denn meiner Ansicht nach ist das Naturerlebnis, was diese Strecke bietet, noch viel bedeutsamer. „Staunen statt Stauen“ ist kein Motto, was von ungefähr kommt.

Blick auf Felbertauernstraße ©Detlef Düring

Die 36 Kilometer lange Felbertauernstraße verläuft zwischen Mittersill im Salzburger Land und Matrei in Osttirol mitten durch den Nationalpark Hohe Tauern. Viele Dreitausender säumen den Weg, darunter der Großvenediger und die Glocknergruppe. Es ist wirklich eine der landschaftlich reizvollsten Strecke auf den Weg in den Süden. Eine wahre Bilderbuch-Gebirgslandschaft tut sich vor einem auf. Eigentlich fängt schon hier der Urlaub während der Fahrt an. Aber eigentlich viel zu schade, um nicht einen Zwischenstopp einzulegen, vielleicht sogar für mehrere Tage. Für mich ist es gerade im Sommer sehr reizvoll, wenn wir dann nach der Hitze in Italien, endlich mal wieder angenehmere kühlere Bergluft genießen können. Aber die Fahrt über die Felbertauernstraße lohnt zu jeder Jahreszeit. Im Frühling schießen unzählige kleine Wasserläufe die steilen Berghänge hinab und die fünf großen Wasserfälle nach dem Südportal sind bei der Schneeschmelze besonders gut zu sehen. Im Sommer sowie Herbst machen die Bilderbuchgipfel Lust aufs Wandern, und im Winter verzaubern weiße Landschaften.

Für einen Zwischenstopp, auch wenn es nur für ein paar Stunden sein sollte, was aber viel zu schade wäre, bietet sich vor allen Dingen eine Erkundung des autofreien Gschlößtal an, das als schönster Talabschluss der Ostalpen gilt. Der Abzweig befindet sich von Norden kommen kurz hinter dem Tunnelausgang Südportal.

Das Gschlößtal, ein wirkliches Hideaway
Gschlösstal ©Nationalpark Hohe-Tauern, Manuel Egger

Eingeschlossen von Dreitausendern und einem Gletscher ist es hochalpin und gleichzeitig aber durch einen Almweg leicht zu erwandern. Mit etwas Glück können die Wanderer Murmeltiere, Gämsen oder sogar den seltenen Bartgeier entdecken, auf jeden Fall seltene Alpenblumen und traumhafte Ausblicke.

Der Weg ins Tal beginnt gleich hinter dem Matreier Tauernhaus. Hier kann man nicht nur gut parken, sondern sich auch in der neuen Schau-Almsennerei, die ausschließlich die Milch der regionalen Almbauern verarbeitet und den Almkäse zusammen mit anderen regionalen Produkten verkauft, mit Proviant für die Wanderung und der weiteren Reise eindecken. Aber auch manches andere Mitbringsel aus der Region kann dort gekauft werden.

Pferdekutsche beim Matreier Tauernhaus ©Rainer Pollack

Danach geht es los mit der leichten Wanderung, eher schon ein Spaziergang. Die Wanderung bis zum Venedigerhaus ist mit vier Kilometern und 200 Höhenmetern sogar kinderwagentauglich und in einer Stunde zu schaffen. Wer nicht selbst laufen will, bucht sich eine Pferdekutsche und genießt die Ausblicke vom Kutschenbock aus. Auch kann man sich auf einem überdachten Anhänger, der von einem mächtigen Traktor gezogen wird, ins Tal fahren lassen, was vielleicht praktisch, aber nicht unbedingt romantisch ist.

Felsenkapelle ©Petra Kraler

Egal ob man mit Pferdestärken unterwegs ist, oder zu Fuß, bei den Wasserfällen muss man einfach stehen bleiben und schauen zu, wie sich Dichtenbach und Tauernbach aus den Berghängen stürzen und zum Geschlößbach vereinen. Nun folgt man dem Gschlößbach und kommt so an der Quelle „Frauenbrunn“ vorbei, wo der Legende nach die Mutter Gottes einst Windeln wusch. Daher soll das Wasser hier eine besondere Heilkraft besitzen – nicht nur für Frauenleiden, sondern auch für die Augen. Die Senner nahmen sich jedes Jahr beim Almabtrieb ein Fläschchen für den Winter mit.

Folgerichtig ist die nahe gelegene „Felsenkapelle“ der heiligen Maria geweiht. Sie wurde zum Schutz vor Lawinen schon im 19. Jahrhundert in den Felsen gehauen – und ist daher auch als „Maria-Schnee-Kapelle“ bekannt. Die Felsenkapelle ist für Fotografen ein wirkliches Traummotiv, aber vor allen Dingen auch ein Ort meditativer Einkehr.

Schnitzer in Innergschlöß ©Detlef Düring

Jetzt sind die wettergegerbten Almhütten des Almdorfs Außergschlöß nicht mehr weit. Seit einigen hundert Jahren stehen sie hier eng zusammen. Die Aussicht auf den Talschluss mit dem faszinierenden Panorama der Dreitausender-Eisriesen Klein- und Großvenediger, Schwarze Wand und Hoher Zaun, sowie dem „Schlatenkees”-Gletscher, lässt sich von der Panorama-Sonnenterrasse des Berghaus Außergschlöß besonders gut genießen, das mit heimischen Wildspezialitäten zur einer Rast lockt.  In den alten Almhütten kann man auch das eine oder andere Souvenir kaufen oder einem Schnitzer über die Schulter schauen, wie er traditionelle Masken schnitzt.

Das Auge Gottes ©Anneliese Senfter

Wer noch Zeit und Lust geht nun noch über die Almwiesen bis zum wirklichen Talschluss oder bergauf zur Alten Prager Hütte. Der Weg hat mit Moränen, Mooren, uralter Vegetation, Gletschereis und dem Salzbodensee einiges zu bieten hat, nicht zu vergessen „das Auge Gottes“ – ein dreieckiger Tümpel mit einer wunderschönen Wollgrasinsel in der Mitte.

Am besten wandert man hier in Begleitung eines Rangers, der nicht nur jede Menge Interessantes zu berichten hat, sondern auch auf viele Dinge aufmerksam macht, die wir Städter so gar nicht bemerken. Ohne den Ranger, den man buchen kann oder bei einem Übernachtungspaket enthalten ist, hätten wir auch den ausgewachsenen Bartgeier, eine eher seltene Gattung, nicht bemerkt, wie er seine Kreise zog. Mit dem Teleskop-Fernrohr des Rangers ein wundervoller Anblick.

Die Zeit verfliegt wirklich schnell und wenn man mag, kann man auch hier sowohl im Venedigerhaus Innergschlöß, als auch im Berghaus Außergschlöß oder im Matreier Tauernhaus übernachten. Aber auch im nahen Matrei gibt es viele schöne Hotels mit allem Komfort, von wo aus man zu vielen schönen Touren und Ausflügen starten kann.

Matrei – Ein Ort für Genießer

In Matrei gibt es übrigens auch die einzige vom Gault Millau mit zwei Hauben ausgezeichnete Pizzeria, die Pizzeria-Restaurant Saluti Matrei, dessen Besuch wirklich ein Genuss ist, und es gibt nicht nur Pizzen. Aber auch andere gute Restaurants warten in Matrei auf Genießer, wie das Restaurant im Hotel Hinteregger mit seinen Osttiroler Spezialitäten und Wildgerichten, oder das Gourmetrestaurant „das INSIDE“ im Hotel Outside mit einer interessanten Verbindung von Osttirol Kreativität mit regionalen Lebensmitteln und Molekularküche. Wobei Gäste mit Hunden in diesem Restaurant, im Gegensatz zu allen anderen Restaurants, unerwünscht sind.

Zwei weitere „Must to do“
Lama ©Detlef Düring

Auf der Weiterfahrt sollte man auf jeden Fall auch einen Abstecher in die Sonnenstadt genannte Bezirkshauptstadt Lienz machen, welche aufgrund ihrer Nähe zur italienischen Grenze bereits mit südländischem Flair lockt bei zirka 2070 Sonnenstunden im Jahr.

Lama-Peter ©Detlef Düring

Und wer sich noch mehr Zeit nimmt, für den ist ein wirkliches Highlight ein Besuch beim Dolomiten Lamatrekking von Karl-Peter Schneeberger in Oberlienz. Mitten in den Alpen hat Lama-Peter Lamas heimisch gemacht und bietet mit diesen wunderbaren Tieren einfache, etwa dreistündige Lamawanderungen bis hin zu mehrtägigen alpinen Lamatrekkingtouren, zum Beispiel über den Alpenhauptkamm, an. Der Umgang mit Lamas begeistert Kinder und Erwachsenen gleichermaßen.  www.dolomitenlama.at

Wer jetzt Lust bekommen hat, für den sind vielleicht auch die Pauschalen interessant, die die Felbertauernstrasse zum ersten Mal in diesem Jubiläumsjahr, aber nun auch in den nächsten Jahren anbietet. Ebenso interessant die 3-Länder-Nationalpark-Rundtour mit den Naturhighlights von Salzburg, Osttirol und Kärnten.

Weitere Informationen befinden sich dazu auf der Webseite der Felbertauernstraße www.felbertauernstrasse.at , der Webseite des Nationalparks www.hohetauern.at , seiner Partnerbetriebe www.nationalpark-partnerbetriebe.at  oder hier………   und  hier………

Über die Felbertauernstraße:

Weil die Felbertauernstraße bei der Maut keinen Unterschied zwischen Pkw, Wohnmobil, Camping-Bus oder Gespann macht, ist diese Route besonders für Camper interessant: Wer am Bundesstraßen-Grenzübergang Kiefersfelden von der A12 abfährt, spart komplett die österreichische Autobahnmaut und insgesamt auf dem Weg zur Adria je nach Größe des Gefährts bis zu 60 Euro. Und auf dem Rückweg nochmal dasselbe. Die einfache Fahrt kostet für alle 11 Euro. Wer sich vor Beginn der Reise ein Vorteilsticket beim ADAC besorgt, zahlt für Hin- und Rückfahrt zusammen nur 20 Euro. www.felbertauernstrasse.at

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