Das kann nur Salzburg – Die UNESCO-Bucket List

Salzburg Moenchsberg
Salzburg Moenchsberg

Seit 1. Jänner 1997 trägt die Salzburger Altstadt das Gütesiegel „UNESCO-Weltkulturerbe“. Wie aber erlebt man „UNESCO“? Ausgesuchte Besonderheiten, Kuriositäten, Erstaunliches und die schönsten Instagram-Orte zeigen, dass Geschichte oft auch im Kleinen sichtbar wird und Salzburg zu Recht ein schützenswertes „Welt-Erbe“ ist.

Faszinosum Mirabell – Schloss, Park, Brunnen und versteckte Gesichter

Das Schloss Mirabell (1606) und der dazugehörige Park zählen zu den Aushängeschildern des Weltkulturerbes. Von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau für seine Familie erbaut, wird es heute vor allem als Sitz der Stadtregierung genutzt. Der Marmorsaal im ersten Obergeschoss ist öffentlich zugänglich und gilt als „romantischster Trauungssaal Europas“. Abends finden hier Konzerte statt. Die emporführende marmorne Georg-Raphael-Donner-Treppe ist bemerkenswert, ist doch die Balustrade reich verschlungen und von Dutzenden Putten gesäumt. Stehend, sitzend und liegend begleiten sie spielerisch die Brautpaare auf dem Weg zur Trauung und so manch Anekdote bringt die kleinen Engel in Verbindung mit den frischen Vermählten. Vor dem Schloss bietet sich der Pegasusbrunnen (1661) als Fotomotiv an. Schweifansatz, obere Kopfpartie sowie der rechte Vorderhuf des Flügelrosses sind noch original erhalten. Auf dem Weg zum historischen Zwergelgarten mit seinen wunderlichen Marmorstatuen (1690/91) lohnt sich der aufmerksame Blick auf die Wehrmauer: Zwei Frauenantlitze sind hier zu entdecken, vermutlich die Reste von Sandstein-Figuren, die 1818 bei einem Stadtbrand im Schloss beschädigt wurden.

  • Die Georg-Raphael-Donner-Treppe ist öffentlich zugänglich. Der Marmorsaal kann während der Öffnungszeiten des Schlosses und außerhalb der Trauungszeiten besichtigt werden (Montag, Mittwoch, Donnerstag).
Eine Welt für sich – das Marionettentheater
Salzburger Marionettentheater SoM

Zwischen Mirabellgarten und Salzach liegt ein kleiner Mikrokosmos: Im Salzburger Marionettentheater, einem Privattheater, werden seit 1913 Figuren wie die Königin der Nacht, Rumpelstilzchen, Maria von Trapp oder der Kleine Prinz handgefertigt und zum Leben erweckt. Die Puppen werden hier geschnitzt, bemalt, kostümiert und auch wiederhergestellt, damit sie in den vielen Inszenierungen von Opern und Märchen ihren eigenen Charme versprühen können. Die spezifische Spielpraxis wurde 2016 in die UNESCO-Liste der Immateriellen Kulturgüter aufgenommen. Besuchende, ob jung ob alt, verlassen freudestrahlend die Vorstellungen – ungeachtet einer Zeit, die immer digitaler wird. Der Zauber wächst bei einer Führung hinter die Kulissen, die vor und nach den Nachmittagsvorstellungen sowie auf Anfrage angeboten wird.


Sinnbild der Gemütlichkeit: Kaffeehauskultur in Salzburg
Café Tomaselli

Könnten Salzburgs Kaffeehäuser sprechen, würden sie die schönsten Geschichten erzählen. Eines lassen sich die Salzburger Einheimischen nämlich nicht nehmen: den Kaffeehausbesuch. Das Café ist in Österreich mehr als ein Lokal, es ist ein öffentliches Wohnzimmer, in dem man sich wohlfühlt und gerne Zeit verbringt. Der UNESCO-geadelten Altwiener Kaffeehaustradition lässt sich in Salzburg sowohl trendig als auch klassisch frönen. Die Wurzeln des Café Tomaselli, dem ältesten bestehenden Kaffeehaus Österreichs, reichen zurück ins Jahr 1700. Seit 1764 befindet sich das Café im prestigeträchtigen Haus am Alten Markt, seit 1852 im Besitz der Familie Tomaselli. Mit Juli 1860 wurde der Kiosk eröffnet, ein Gastgarten im ehemaligen Hundswinkel vor der Residenz. Ab 1891 hatten auch weibliche Gäste im Damensalon im 1. Stock Zutritt zum Café. Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs quartierte sich die US-Besatzungsmacht im Tomaselli ein und funktionierte das altehrwürdige Kaffeehaus in das „Forty Second Street Cafe“ um. Heute zählt das Café Tomaselli mit seinen bekannten Kuchendamen zu den beliebtesten Treffpunkten von Einheimischen und Gästen. Den modernen Coffee-to-go hingegen holt man sich – ganz im Bewusstsein der UNESCO-Altstadt – beim ehemaligen Mauthäuschen auf der linken Salzachseite zwischen Mozartsteg und Michaelstor. Hier wurde bis Ende 1920 noch Brückenmaut eingehoben.
Salzburger Kaffeehaustradition, www.salzburg.info/kaffeehauskultur
Café Salzburg. Orte. Menschen. Geschichten.“, 8. April bis 4. September 2022, Salzburg Museum, www.salzburgmuseum.at

Neun Jahrhunderte Erfahrung: Die Bäcker von St. Peter
Salzburg Sankt Peter

Salzburgs kulinarische Seite ist facettenreich. Einen besonderen Stellenwert hat dabei das beliebte Brot aus der Stiftsbäckerei St. Peter, die es schon seit dem 12. Jh. gibt. Damals wurde für den Almkanal ein Tunnel durch den Mönchsberg geschlagen, um die Stadt mit Wasser zu versorgen. Direkt am Austritt dieses Durchbruchs errichtete das Kloster St. Peter eine Getreidemühle und fand dort auch für jene Bäckerei Platz, die heute noch als Stiftsbäckerei St. Peter geschätzt wird. In dem historischen Gewölbe mit dem noch originalen Holzofen wird ein kleines, feines Sortiment angeboten. Neben dem Holzofenbrot aus reinem Natursauerteig gibt es Milchbrötchen und Tiroler Roggenmischbrote, die Vinschgerl. Wer am späten Nachmittag in die Bäckerei kommt, könnte schon vor leeren Regalen stehen, denn produziert wird nur für den Tagesbedarf. Apropos Brot und St. Peter: In der Stiftskirche, deren Kern bis ins 12. Jh. zurückreicht, befindet sich das relativ unscheinbare „steinerne Brot“, auch „Laib im Eisen“ genannt. Gleich rechts neben dem Hauptportal hängt dieses Brot auf Sandstein in einer Eisenkette und erinnert an die Legende von einer Bäuerin, die an einem Feiertag, statt in die Kirche zu gehen, Brot buk. Als sie es aus dem Ofen holen wollte, war es zur Strafe zu Stein geworden.
• Stiftsbäckerei St. Peter, Montag bis Samstag (Mittwoch Ruhetag), www.stiftsbaeckerei.at

Die Krönung der Maria

Aufmerksamen Personen fallen bestimmt die Menschen auf, die in der Franziskanergasse mit langsamen Schritten auf den Domplatz zugehen und plötzlich innehalten. Hier steht die Statue der Maria Immaculata, die im Auftrag des Erzbischofs Sigismund III. Graf Schrattenbach zwischen 1766 und 1771 aus Marmor und Bleiguss geschaffen wurde. Maria erhebt sich über eine Weltkugel und ist umgeben von den vier allegorischen Figuren Engel, Teufel, Wahrheit und Mutter Kirche. Wer sich langsam auf die Marienstatue zubewegt, kann eine einfache wie amüsante optische Täuschung erleben: Die von zwei Engeln gehaltene Krone, die die Domfassade schmückt, senkt sich auf das Haupt Marias hernieder und krönt so Maria Immaculata zur Maria Regina.

Moderne Kunst an alten Mauern

Der UNESCO-Titel stellt sicher, dass die bedeutende historische Altstadt in ihrer bestehenden Form erhalten wird. Salzburg hat dennoch Wege gefunden, inmitten dieser geschichtsträchtigen Pracht zeitgenössische Akzente zu setzen. Der „Walk of Modern Art“ etwa führt zu 14 dauerhaft ausgestellten Kunstprojekten auf den bedeutendsten Plätzen der Altstadt. Zahlreiche weitere Kunstwerke findet man an den Fassaden und Mauern der barocken Gebäude. So etwa installierte Friedensreich Hundertwasser zwischen 1980 und 1987 so genannte, aus Keramik gefertigte Zungenbärte an der Außenfassade des Rupertinums am Max-Reinhardt-Platz. Das Gebäude wurde erstmals 1350 erwähnt und wird seit 1983 museal genutzt. Den Eingangsbereich der Alten Residenz ziert seit Eröffnung des DomQuartiers im Jahr 2014 ein zeitgenössischer Akzent: Der Österreicher Elmar Trenkwalder brachte mehr als 400 Einzelobjekte an den Seitenwänden und dem Tonnengewölbe an. Das Gesamtwerk scheint – insbesondere durch die blauen „Sterne“ an der Decke –, Himmel und Erde zu vereinen. Das Mozart-Zitat von Sylvie Fleury (2005) am Hauptgebäude der Stiftung Mozarteum in der Schwarzstraße und die Reliefs an der Fassade des Haus für Mozart, die 2006 vom Salzburger Künstler Josef Zenzmaier geschaffen wurden, sind weitere Beispiele für die künstlerischen Brücken von der Vergangenheit in die Gegenwart.

  • Auf www.salzburg.info/creative finden Sie alle Details zum „Walk of Modern Art“, weitere Kunst im öffentlichen Raum und dem Themenspaziergang „Stadtwandern: Creative Salzburg“.
Ob Regen oder Sonnenschein: Salzburgs schönste Wetterstation

Manche Gäste (und der eine oder andere Einheimische) werden sich schon gewundert haben, was es denn mit dem goldverzierten Häuschen am Alten Markt auf sich hat. Es handelt sich um eine Wetterstation, die im Jahr 1888 vom Salzburger Stadtverein errichtet wurde und die noch heute ohne Elektrizität oder Digitalisierung funktioniert. Die im Stil der Neorenaissance gehaltene Wettersäule zeichnet täglich die Temperatur (Thermometer) und den Atmosphärendruck (Barometer) auf. Auf einer wuchtigen, offenbar für die Ewigkeit bestimmten Metalltafel auf dem Sockel prangt die Mitteilung „Höhen-Marke über dem Adriatischen Meeres-Spiegel 424,250“. Samstags kann man unter Umständen beobachten, wie handbreite Papierbögen ausgewechselt werden, damit Barograf und Hygrometer ihre Linien weiterziehen können.

Salzburger Getreidegasse
Durch die Stadt führen (lassen)

Die beste Art, eine Stadt zu erkunden, ist, sich auf sie einzulassen. Während manche gerne in einem Café sitzen und die Atmosphäre verinnerlichen, möchten andere bei Stadtführungen Details und Tipps erhalten. Die täglichen „Fairtours“-Fußführungen der Salzburger Guides geleiten zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten und geben einen ersten Überblick über die UNESCO-Welterbestadt Salzburg. Wer Salzburg schon ein wenig kennt und etwas sein Wissen vertiefen möchte, kann bei den individuellen Stadtwanderungen Neues lernen. Diese Spazierwege bieten die Möglichkeit, auf eigene Faust und im eigenen Tempo durch die Stadt zu flanieren und dabei kuriose und überraschende Informationen sowie Tipps zu den schönsten Foto-Spots zu erhalten.

Schlafen in ehrwürdigen Gemäuern

Viele Gebäude der barocken Altstadt werden heute als Unterkunftsbetriebe geführt. Die Bandbreite ist sehr groß: Im Hotel Goldener Hirsch wird 5*S-Luxus geboten, in den Gästehäusern einiger Klöster hingegen einfache Schlichtheit. Das Hotel Stein ist als historisches Beispiel besonders repräsentativ: Die erste urkundliche Erwähnung fand 1399 statt, als es die behördliche Genehmigung erhielt, Fuhrleute und Reisende zu verpflegen. Zwischen 1452 und 1870 wurde hier eigenes Bier gebraut, zuletzt unter dem Namen „Bräu am Stein“. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb der Autor und Lehrer Alois Grasmayr (1896-1955) das Gebäude und ließ es um zwei Geschosse aufstocken. Die legendäre Dachterrasse wurde eröffnet und der Betrieb in „Hotel Stein“ umgetauft. Das Gebäude ist im Kern spätgotisch und bestand ursprünglich aus zwei Salzachhäusern, die Mitte des 18. Jahrhunderts zusammengelegt und prunkvoll ausgestattet wurden. Nach den letzten Renovierungen, die im Februar 2018 abgeschlossen wurden, sind einige freigelegte Bauelemente zu besichtigen, in erster Linie eine aufwendige Stuckdecke im 2. Obergeschoss.

Dem Welterbe auf der Spur

Die all-inclusive Salzburg Card ist ein Schlüssel, der so manch historische Tür zu öffnen vermag. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählt die Festung Hohensalzburg. Ob mit der Festungsbahn oder zu Fuß: Einmal im Burgareal angekommen taucht man ein in die bewegte Geschichte, die seit 1077 ihren Lauf nimmt. Die Fürsterzbischöfe, die Land und Stadt stark prägten, hatten ihre Prunkräume jedoch nicht auf der Festung, sondern in der Alten
Residenz, die heute Teil des DomQuartiers ist. Dieses 2014 eröffnete Zentrum für Barock hilft, die Bedeutung Salzburgs in vergangenen Jahrhunderten zu verstehen. Gleich daran anschließend begeistert die Architektur des Doms mit dem weltberühmten Taufbecken
(14. Jh.), in dem unter anderem W. A. Mozart getauft wurde, sowie mit Konzerten, Kunstwerken und Rundgängen. Eine weitere Möglichkeit, die Residenzstadt kennenzulernen, ist die Fahrt mit dem Schiff „Amadeus“, das das historische Erscheinungsbild entlang der Salzach aus einer anderen Perspektive zeigt.
Salzburg Card, www.salzburg.info/salzburgcard
„Salzburg einzigartig – Geschichte(n) aus Stadt und Land“, ab 18. Februar 2022, Salzburg Museum, www.salzburgmuseum.at

Urbane Almabkehr erleben

Der Almkanal, von den Einheimischen gerne „die Alm“ genannt, ist heute ein Naherholungsgebiet und Treffpunkt für Badenixen, Stadtsurfer und fahrradfahrende Sonnenhungrige. Nicht vergessen darf man aber, dass der Almkanal ein außergewöhnliches Wasserversorgungssystem ist, dessen Anfänge im 8. Jh. liegen, als die ersten Teilstücke des späteren Kanalnetzes angelegt wurden. Mithilfe dieses Systems konnte die Stadt mit Nutz- und Trinkwasser versorgt werden. Der spannenden Geschichte des Stollensystems kann man drei Wochen im September nachgehen, wenn in der sogenannten „Almabkehr“ der Stollen trockengelegt wird, um notwendige Wartungsarbeiten durchzuführen. Dann wird auch der Weg im Mönchsberg begehbar, der von der Brunnhausgasse direkt in den St. Peter Friedhof führt. Ausgerüstet mit Taschenlampe, Regenjacke und Gummistiefel taucht man ein in die „Salzburger Unterwelt“. Der Weg ist 400 m lang, die Gänge sind maximal 2,20 m hoch und am Boden finden sich Marmorplatten, die bei näherem Hinsehen uralte wiederverwendete Grabsteine sind.
• Almabkehr im Stiftsarmstollen, Termin 2022 wird im Sommer bekannt gegeben, www.almkanal.at/stiftsarmstollen.html

Historischer Brauch neu aufgelegt: Das Turmblasen

Wer sonntags durch die Innenstadt schlendert, könnte kurz vor Mittag ferne Trompetenklänge vernehmen. Dabei handelt es sich um das Turmblasen auf der Festung Hohensalzburg; ein Konzert, das jeden Sonntag um 11:45 Uhr erklingt. Historisch gesehen war es an beinahe allen wichtigen Höfen Europas üblich, mittels Turmbläsern vor Gefahren zu warnen oder wichtige Anlässe zu begleiten. Auch am Hof des Salzburger Fürsterzbischofs gab es seit dem Mittelalter diesen Brauch und 1465 wurde auf der Festung ein Trompeterturm errichtet. Die Klänge von Trompeten und Pauken galten bis 1800 als reine Gebrauchsmusik, waren diese Musiker doch Teil des „Hofstaates“. Das erklärt auch, warum es kaum überlieferte Kompositionen gibt. In Salzburg jedoch sind Musikstücke für festliche Aufmärsche im Archiv der Abtei Nonntal erhalten. Diese Aufzüge sind vorwiegend von Salzburger Hoftrompetern verfasst worden und werden beim Salzburger Turmblasen auf der Festung aufgeführt. Viele Gäste, die Salzburg in der Vorweihnachtszeit besuchen, kennen zudem das Turmblasen am Christkindlmarkt auf Dom- und Residenzplatz, das jeden Donnerstag und Samstag um 18.30 Uhr erklingt.
• Turmblasen vom Trompeterturm der Festung Hohensalzburg, jeden Sonntag 11.45 Uhr, www.salzburg-burgen.at