Condor und das Essen auf Langstrecke

Eigentlich bietet jede Qualitätsairline ihren Passagieren auf der Langstrecke eine oder je nach Flugdauer sogar mehrere Mahlzeiten kostenlos an, schließlich ein Unterscheidungsmerkmal zu sogenannten Billigairlines. Doch haben Gesundheitsbewusste, wie Vegetarier und Veganer, Allergiker oder Angehörige von Religionen mit gewissen Essensvorschriften bei Condor das Nachsehen. Es gibt zwar bei Condor garantierte Menü-Optionen für Vegetarier, Veganer und auch Angehörigen anderer Religionen, aber nur gegen Aufpreis. Was woanders selbstverständlich ist, kostet bei Condor 17,99 Euro oder mehr. Auch nachzulesen in der Zeitschrift „test“ (Mai 2019, Seite 6) der Stiftung Warentest.

Wie meine Nachfrage bei der Pressestelle von Condor ergab, wird zwar auf Langstreckenflügen immer auch ein kostenloses vegetarisches Pasta-Gericht angeboten, aber es ist nur in begrenzter Zahl an Bord, und eine Garantie, dass man es bekommt, gibt es nicht. „Der wesentliche Unterschied ist, dass man hier keine Garantie hat, dass das Essen vegetarisch sein wird. Es kann vorkommen, dass die Nachfrage so groß ist und nicht für alle Fluggäste ein vegetarisches Essen vorhanden ist.“ (so der Pressesprecher und Head of Communications Thomas Cook Group Airline)

Alle anderen Passagiere, die auf ein bestimmtes Essen angewiesen sind, haben sowieso das Nachsehen und für Vegetarier ist es ein Lottospiel, wo fängt die Crew mit dem Essenverteilen an und wieviel ist an Bord. Und wenn man Glück hat, ist es hoffentlich wirklich vegetarisch und nicht Bolognese.

Wie gesagt bei den meisten Airlines ist die Vorauswahl der Menüoptionen kostenlos möglich, wenn ein Menü inbegriffen ist, bei Condor nicht.

Als Qualitätsairline bieten wir jedem Passagier auf der Langstrecke eine kostenfreie Mahlzeit, wodurch wir uns im harten Wettbewerb positiv abheben wollen. …. Darüber hinaus können unseren Kunden umfangreiche Sondermenüs wählen. … Diese sind durch den entstehenden Mehraufwand gegen Aufpreis und unter Vorbestellung erhältlich.
Die Kosten für jegliches Essen, das von einem Standardessen abweicht, liegen signifikant über dem regulären Essen in der Economy Klasse. Dabei sind es nicht die Kosten für die Lebensmittel an sich, sondern vielmehr der Mehraufwand, die Logistik und die gesonderte Zubereitung an Bord, die zu einem höheren Preis führen. Da wir diese nicht auf alle Passagiere verteilen möchte, bieten wir Sonderessen für einen Aufpreis an – so auch bei veganem und vegetarischem Essen.
„(so der Pressesprecher und Head of Communications Thomas Cook Group Airline)

Ich frage mich, kann Condor also wirklich noch zu Recht behaupten eine Qualitätsairline zu sein, denn die Qualitätsairlines, die dieses kostenlos anbieten, haben ja wohl den gleichen Mehraufwand. Und mir erschließt sich auch nicht, wo die gesonderte Zubereitung an Bord für Mehrkosten verantwortlich sein soll. Das Crewpersonal arbeitet deswegen nicht länger oder bekommt Zulagen dafür, und die Energie fürs Aufwärmen kostet auch nicht extra.

Für Fluggäste, die weder Standardessen noch eine kostenpflichtige Menü-Option mögen, hat der Pressesprecher abschließend noch einen Tipp parat:

„Wir bieten unseren Kunden selbstverständlich auch die Möglichkeit, eigenes Essen, welches mitgebracht wurde im Flugzeug zu verzehren.“ (so der Pressesprecher und Head of Communications Thomas Cook Group Airline)

Meine Meinung ist:

Condor will sich „im harten Wettbewerb positiv abheben“, ich persönlich sehe hier eher einen negativen Unterschied. Und auch der Sitzabstand in der Economy unterscheidet sich kaum mehr von Ryanair und Co., möchte man einen Film schauen kostet es extra, möchte man etwas Alkoholisches trinken kostet es extra. Wo ist hier noch der signifikante Unterschied bis auf den Preis? Vielleicht ein Glück für Condor, dass sich viele ihrer Fluggäste gar nicht bewusst für Condor als Airline entscheiden können, sondern ein Pauschalarrangement bei einem Reiseveranstalter gebucht haben.

Es kommt wahrscheinlich nicht von ungefähr, dass für die einst erfolgreiche und stolze Condor seit einiger Zeit ein Käufer gesucht wird.

Autor: Detlef Düring