Churfranken – Ein Geheimtipp für Genießer

Haben Sie schon von Churfranken gehört und wissen wo es in Deutschland liegt. Nein, dann liegt das vielleicht daran, dass es eigentlich ein Kunstname ist, unter dem sich seit 2007 einundzwanzig Ortschaften zusammengeschlossen haben. Der neue Name soll die Genussregion im landschaftlich überaus reizvollen Maintal in Unterfranken zwischen Odenwald und Spessart bekannter machen und an die ehemaligen Landesherren dieser Region, den Kurmainzischen Fürstbischöfen, erinnern.

Und wirklich, hatte die Region bis zur Umbenennung, wenn auch zu Unrecht, touristisch quasi im Dornröschenschlaf gelegen, gilt sie heute im Sommer als Geheimtipp für Wanderer, Radler, Wassersportler, Kulturinteressierte, Burgen-Fans und vor allen Dingen Genießer. Gerade Liebhaber guter Weine und guten Essens sind hier genau richtig, und das quasi fast in der Mitte von Deutschland. Churfranken ist somit aus ganz Deutschland schnell und gut zu erreichen.

Wein und Kräuter

Mit Blick auf das blaue Band des Mains und die auf ihm gemächlich dahingleitenden Schiffe verläuft der 72 Kilometer lange Fränkische Rotwein Wanderweg entlang sonnenverwöhnter Weinberge, leicht in Tagesetappen zu Erwandern. Hauptsächlich Spätburgunder wird hier im Mainviereck auf seit Jahrhunderten gepflegten Weinterrassen mit nur hier vorkommenden Buntsandsteinböden angebaut.

Und mitten in einem Weinberg bei Erlenbach ist hier ein Kräutergarten liebevoll angelegt. Lauter intensiv duftende Kräuter, Minze und Melisse, Lavendel und Erdbeerspinat und viele andere Gewürze findet der Wanderer hier und kann sich quasi ein Andenken pflücken, denn hier ist das Mitnehmen von Kräutern für den eigenen Bedarf sogar ausdrücklich erlaubt. Die Idee zu dem Kräutergarten im Weinberg hatte der Kräuterspezialist und Fachbuchautor Engelbert Kötter. Ebenso entwickelte er den aus sogenannten Weinbergskräutern, die hier im Kräutergarten wachsen, gebrannten „Churfranken-Bitter“, einer Spezialität einer kleinen Brennerei in der Region.

Das traditionelle Miltenberg und sein ehrwürdiges Brauhaus

Auch wenn der Wein sicherlich die Gegend prägt, gibt es in Churfranken sehr viele Brauereien, eine der ältesten ist die Brauerei Faust in Miltenberg. Seit 360 Jahren braut man hier Bier. Und das bis heute traditionell mit offener Gärung, zurzeit 13 verschiedene Bierspezialitäten. Bei einer Führung durch die Fertigung und Lagerung mit dem Biersommelier Cornelius Faust kann ich mich nicht nur optisch von der Qualität der vielfach ausgezeichneten Biere überzeugen, sondern auch geschmacklich. Die verschiedenen Biersorten werden vorgestellt und jeweils gleich im Glas gereicht. Da gibt es ganz merkwürdige Spezialitäten, wie das seit 1875 gebraute „Auswanderbier“, den holzfassgereiften „Eisbock“, die „Brauerreserve 1237“, „Doppelbock“, „Longneck Pils“, „Schwarzviertler“ und viele mehr. Verkauft wird das Bier leider nur hier in der Region oder über den eigenen Online-Shop der Brauerei.

Der Brauerei Faust gehört auch das, laut eigener Aussage, älteste Gasthaus Deutschlands „Zum Riesen“, mitten in Miltenberg. Es wurde schon im 12. Jahrhundert erwähnt und sogar Kaiser Friedrich Barbarossa speiste hier einst 1158. Seit 1411 befindet es sich in dem heute größten Renaissance-Fachwerkhaus Miltenbergs. Überhaupt sollen hier außer Barbarossa viele andere Berühmtheiten wie Kaiser Karl IV., Martin Luther, Albrecht Dürer, Kaiser Karl VI. und Elvis Presley getafelt haben. Wie heutzutage bei McDonald´s konnten die Gäste früher durch die große Toreinfahrt mit der Kutsche hineinfahren und durch die Ausfahrt wieder hinaus. Denn die feinen Herrschaften aus dem Adel, der Kaufmannschaft oder Geistlichkeit, wollten trockenen und sauberen Fußes das Gasthaus und die Herberge besuchen, wurden doch früher die Nachttöpfe einfach aus dem Fenster auf die Straße entleert. Im 19. Jahrhundert hatte der Riesen auch ein Braurecht. Davon zeugt noch der Braustern am Wirtshausschild, ein Hexagramm, ähnlich dem Judenstern, welches auch aus diesem Grunde an vielen anderen Häusern mit früheren Braurechten in Miltenberg zu finden ist.

Überhaupt entführt ein Bummel durch das historisch-romantische Fachwerk-Städtchen Miltenberg, welches erstmalig 1237 urkundlich erwähnt wurde, in längst vergangene Zeiten. Die Burg Mildenburg thront über der Stadt mit seinen vielen gut erhaltenen und sehr sehenswerten Fachwerkhäusern aus unterschiedlichen Zeiten, umringt von einer Stadtmauer. Diese romantisch anmutende Altstadt wird auch von vielen Flussschiffstouristen besucht, die hier einen Ort mit vielen Fotomotiven vorfinden. An vielen Stellen sieht es aus wie auf alten Postkarten. Und obwohl die Zeit architektonisch hier stehen geblieben zu sein scheint, ist das etwa 9000 Einwohner zählende Städtchen doch quicklebendig und modern.

Und nicht nur Wein, Bier und gutes Essen sorgen in Miltenberg für den besonderen Genuss, sondern auch ein Besuch bei Mayer´s Bäck, wo man auf Wunsch von dem staatlich geprüften Brotsommelier Volker Mayer erklärt bekommt, worin die unterschiedlichen Brotsorten sich unterscheiden, welche Brotsorten bei unterschiedlichen Speisen und Getränken empfehlenswert sind und warum. Sehr leckeres Brot gibt es natürlich auch dazu.

Auch ein Kaffee-Sommelière gibt es in Miltenberg, Frau Megi Schmitt. Mit viel Enthusiasmus und Leidenschaft erklärt sie in ihrem kleinen Cafe Mocha, nicht nur was einen guten Kaffee ausmacht, sondern lässt ihre Kunden auch die Unterschiede der Sorten, Aromen und Zubereitungen geschmacklich erleben.

Klingenberg – Eine Stadt mit Würze

Klingenberg bietet von seiner Burg einen fantastischen Blick über die Weinberge, die Stadt selber ist leider wie im manch anderen Ort in der Gegend von zunehmendem Leerstand der örtlichen Geschäfte geprägt. Und doch ist ein Besuch in Klingenberg ein Muss, und kaum ein Besucher Churfrankens lässt ihn aus. Warum?

Hier hatte einst Ingo Holland sein fabelhaftes Lokal „Zum Alten Rentamt“. Inzwischen hat hier der ehemalige Sternekoch und Gewürzexperte sich zusammen mit seinem Sohn ein Imperium geschaffen, einen Gewürzladen und eine neue große Manufaktur, wo neben Produktion und Versand, auch Kochseminare rund um Gewürze, vom Trüffelkochkurs bis zum Pralinenseminar, stattfinden. Das Restaurant gibt es aber leider nicht mehr.

Aber etwas ganz Besonderes ist der wirklich einzigartige Gewürzladen, der in dem ehemaligen Teddy-Museum Klingenbergs sein Zuhause hat, und nun das „Alte Gewürzamt“ ist.

Intensive würzige Düfte umfangen mich, als ich den Laden betrete. Unzählige Gewürzsorten und -mischungen, eine kreativer als die andere gibt es in markanten, grünen Dosen zu entdecken. Über 300 verschiedene Gewürze und -mischungen sind im Angebot, aber auch Chutneys, Fruchtaufstriche, Pasten, Senfsorten und weitere Feinkost. Die meisten Gewürze bestehen aus 75-80% ganzen Gewürzen, wie Koriander, Pfeffer oder Kümmel und nur 15% aus Pulver, bevor sie in mehreren Schritten aufwendig gemahlen und verarbeitet werden.

Hier gibt es viele Gewürze zu entdecken, von denen ich selber vorher noch nichts gehört habe. Aber vor allen Dingen sind diese hier, auch sinnlich zu erleben, geruchsmäßig und geschmacklich. Und es gibt viel zu schnuppern und zu genießen. Kein Wunder, dass ich, wie auch fast jeder Besucher des Ladens, hier einige Euros zurücklasse.

Interessant ist auch ein Besuch auf dem Bauernhof der Familie Link in nahen Mönchberg, wo mitten in Deutschland unter anderem Gewürze wie Koriander und Kümmel auf großen Feldern für das Alte Gewürzamt angebaut werden. Viel Lehrgeld musste von Markus Link zu Beginn des Anbaus gezahlt werden, aber nun haben sich die Mühen ausgezahlt. Ein kleiner Tipp übrigens, im Hofladen des Bauernhofs sind die dort angebauten Gewürze viel günstiger als im „Alte Gewürzamt“ zu erwerben. Auch gibt es dort an einigen Tagen eine gemütliche Hofgaststätte.

Genuss pur

Ein weiteres Genuss-Highlight ist die kleine Edelbrennerei Destilleum in Pflaumenheim bei Großostheim, wo Michael Mayer sein Hobby zur Berufung hat werden lassen, und mehrfach international prämierte Edelbrände und Liköre herstellt.

Die vielen von verschiedenen Restaurantführern ausgezeichneten Restaurants in der Region, aber auch die idyllischen Landgasthäuser mit fränkischen Spezialitäten, Häcker-Wirtschaften und Weinstuben perfektionieren das Genusserlebnis dieser Genießerregion am Main. Viele Besuche oder Urlaube sind nötig, um sie alle auszuprobieren.

So plane ich schon in Gedanken meinen nächsten Kurzurlaub, denn die Genussregion am Mainbogen in Unterfranken hat wirklich viel zu bieten, und zwar zu jeder Jahreszeit Verschiedenes. Churfranken hat mich überzeugt, warum also in der Ferne schweifen und nicht lieber einen genussvollen Urlaub mitten in Deutschland verbringen, egal ob nur für ein paar Tage oder etwas länger.

Wie kommt man hin:

Das 40 Kilometer von Aschaffenburg entfernt liegende Miltenberg als Herzstück der Region Churfranken erreicht man mit dem Auto gut über die Bundesstraße 469, die bei Aschaffenburg nach Süden von der A3 abzweigt.
Mit der Bahn ist Miltenberg ab Aschaffenburg gut in 50 Minuten Fahrt mit der regelmäßig pendelnden Regionalbahn zu erreichen.

Mehr Informationen unter www.churfranken.de

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