48 Stunden in Frankfurt

Florian Schütz ©Peter Krausgrill

Begleitet von einem Einheimischen lässt sich eine Stadt immer am besten erkunden – wie praktisch, dass der neue General Manager des Sofitel Frankfurt Opera Florian Schütz gebürtiger Frankfurter ist. Der 39-Jährige hat im vergangenen Jahr Manhattan hinter sich gelassen und ist in seine Heimatstadt Mainhattan zurückgekehrt. Florian Schütz kennt die alten und neuen Sommer-Hotspots der Stadt: Hier sind seine Tipps für 48 Stunden in Frankfurt.

Tag 1: Die Mainmetropole kennenlernen
Am Morgen: Ankommen an der Alten Oper

Per U-Bahn oder Taxi sind der Opernplatz und damit auch das Sofitel Frankfurt Opera am besten zu erreichen. Die Alte Oper im Stil der Neorenaissance bildet einen verschnörkelten Kontrast zur schnörkellosen Skyline – ein typisches Zusammenspiel von alt und neu, welches das Stadtbild prägt. Zum Opernplatzfest mit seinen Musikbühnen und kulinarischen Ständen wird der zentrale Platz Ende Juni zum Hotspot für viele Frankfurter, das Opernhaus immer im Hintergrund. Mit Blick auf dieses Wahrzeichen startet man am besten seinen Citytrip und trinkt auf der Terrasse des Restaurant Schönemann einen Café au Lait und beobachtet dabei die Flaneure.

Erste Schritte: Erkundungstour durch die Fressgass

Zeit für einen ersten Frankfurt-Spaziergang: Vom Opernplatz aus biegt man links in die Große Bockenheimer Straße ein, die im Volksmund „Fressgass“ genannt wird. Der Name ist Programm: Hier reihen sich zahlreiche Delikatessenläden an Cafés und Restaurants. Luxuriöse Läden geben einen Vorgeschmack auf die parallel gelegene Goethestraße, benannt nach dem berühmtesten Sohn der Stadt. Florian Schütz besucht hier gern die Patisserie L’Art Sucré von Florian und Sandra Köller. Das Paar holt mit seinen je nach Jahreszeit wechselnden Kollektionen aus Macarons, Petit Fours, Schokoladen und Törtchen Frankreich nach Frankfurt – ebenso wie das Sofitel. Der Sommer-Favorit von Florian Schütz: das Törtchen „Andalousie“ aus sizilianischen Zitronen, Milchschokoladenmousse, Zitronencrunch aus Valenciamandeln und einer dunklen Schokohaube. Ein beliebtes Fest und After-Work-Hotspot ist auch der jährliche Rheingauer Weinmarkt. Vom 28. August bis zum 6. September 2019 gastieren 25 Winzerstände auf der Fressgass, und Besucher können über 600 verschiedene Weine und Sekte aus dem angrenzenden Weinbaugebiet verkosten, dessen äußerster Zipfel, der Lohrberg, übrigens auf Frankfurter Stadtgebiet liegt. Von der Fressgass aus geht es auf dem Spaziergang weiter geradeaus. So gelangt man zur Hauptwache, einem der belebtesten Plätze Frankfurts mitten im Shopping-Viertel zwischen Rossmarkt und Zeil.

Zur Mittagszeit: Zwischenstopp mit kulinarischer Weltreise

Den zahlreichen Geschäften stattet man jedoch am besten erst später einen Besuch ab, denn unweit der Hauptwache liegt die Kleinmarkthalle. Bei Frankfurtern und Besuchern gleichermaßen beliebt, bietet die historische Markthalle Spezialitäten aus aller Welt. Am Wochenende kauft Florian Schütz hier Frisches fürs Sonntagsessen ein. Für einen leichten Lunch unter der Woche mag er das Alasti’s Valentino, das Antipasti, Käse und italienischen Schinken serviert. Wenn’s exklusiver sein darf, geht es hoch auf die Galerie zur Mare Blu Austernbar. Außerdem findet man in der Kleinmarkthalle die für Frankfurt typischen Spezialitäten Grüne Soße aus sieben Kräutern – der Legende nach Goethes Leibgericht – und Rindswurst.

Am Nachmittag: Besuch der „neuen Altstadt“ und dann hoch hinaus

Von der Kleinmarkthalle aus sind es nicht einmal fünf Minuten zu Fuß zu Frankfurts neuer Altstadt. Die Mischung aus Alt und Neu polarisiert ästhetisch, sorgt aber auf jeden Fall für Gesprächsstoff und Instagram-würdige Motive. Kleine, feine Geschäfte und Restaurants laden hier zum Stöbern und Entspannen ein. „Mein liebster Laden hier ist das Café Herz von den Zeleke-Brüdern, weil es gleichzeitig eine Bar ist. Hier gibt es tagsüber Kuchen, und abends leckere Drinks“, schwärmt Florian Schütz. In den vielen Gassen des Quartiers sind außerdem einige Designer mit ihren Ateliers vertreten. Lokale Künstler stellen in den hiesigen Galerien aus.

Gleich um die Ecke liegen der Römer, wie das historische Rathaus genannt wird, und der Frankfurter Dom. Vom 66 Meter hohen Turm des Kaiserdom St. Bartholomäus blickt man auf Altstadt, Main und Skyline. Der Geheimtipp von Florian Schütz für eine tolle Aussicht ist die Panorama-Etage im 49. Stock des von Norman Foster entworfenen Commerzbank Towers – nur wenige wissen, dass man das höchste Gebäude Deutschlands überhaupt besichtigen kann.

Abends: Tradition und Moderne ganz nah beieinander

Von der Innenstadt aus geht es weiter zum Main und über den Eisernen Steg. Die Brücke ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt und verbindet den Römerberg mit Sachsenhausen im Süden. Zum Ausklang des Tages gibt es in Frankfurt mehrere Optionen: Traditionelle Apfelweinkneipen finden sich in Sachsenhausen in großer Fülle. Ein Feierabendbier am Mainufer entschleunigt nach dem Sightseeing-Tag. Wer nach einem hippen Platz zum Abendessen sucht, ist im Bar Shuka im Bahnhofsviertel gut aufgehoben. Verschiedene Klassiker der nahöstlichen Küche hat der israelische Spitzenkoch und Gastronom Yossi ‘Papi’ Elad eigens für das Frankfurter Restaurant neu interpretiert – und greift dafür auch auf lokaltypische Zutaten zurück. Florian Schütz liebt das ofenfrische Pitabrot mit verschiedenen Dips.

Tag 2: Kultur, Kulinarik und coole Shopping-Spots
Skyline Frankfurt am Main ©visitfrankfurt Holger Ullmann
Morgens: Frühstück unter freiem Himmel

Am besten startet man beim Frühstück auf dem Opernplatz in den nächsten Tag. Auch der General Manager schätzt die große Auswahl des Frühstückbuffets im Restaurant Schönemann – Florian Schütz’ Favorit: natürlich die fluffigen französischen Croissants.

Vormittag: Shopping abseits der Zeil

Zum Shoppen empfiehlt Florian Schütz die Stephanstraße. Hier begrüßt The Listener Shopaholics mit Marken wie 3.1 Phillip Lim, Alexander Wang, Comme des Garçons oder Helmut Lang. Die Zeil liegt hier ebenfalls in unmittelbarer Nähe und lockt als einer der umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands mit Kaufhäusern, namhaften Modeketten und Fachgeschäften.

Mittags: Kunst-Pause mit Lunchführung

Frankfurt ist auch Museumsstadt und so durchziehen die Kunsthallen die ganze Stadt – auch den Business-Distrikt, der nahe des Sofitel liegt. Fußläufig davon entfernt, ist im Taunus Turm eine Zweigstelle des Museums für Moderne Kunst untergebracht: das MMK 2. Hier laden wechselnde Ausstellungen zum Schauen ein, regelmäßig sogar in der Mittagspause. An Werktagen bietet das Museum spezielle halbstündige Lunch-Führungen – für alle, die sich nach dem Essen noch mal inspirieren lassen möchten, anstatt direkt an den Schreibtisch zurückzukehren.

Ein kulinarischer Tipp von Florian Schütz: Um die Ecke des Sofitel Frankfurt Opera lädt der Schillermarkt jeden Freitag zum Schlemmen und Stöbern ein. An allen Tagen der Woche macht Florian Schütz gern eine kulinarische Stippvisite in der Käsestube Gutes aus Milch, die ebenfalls auf der Schillerstraße liegt. Hier kredenzt der Ex-Banker und diplomierte Käsesommelier Vartan Kevorkyan über 200 handwerklich hergestellte Käsesorten, Sekt, Wein und frisch „gezapfte“ Milch aus dem hessischen Odenwald. Am Abend treffen sich Käse-Liebhaber bei Vartan zu seinen Themenabenden. Dann gibt es passende Käse-Menüs unter Überschriften wie „Willkommen bei den Sch’tis“ oder „Über den Dächern von Nizza“ – gesellig und sehr lecker, findet Florian Schütz.

Entspannter Nachmittag: Must-See Museumsufer und Frankfurter Gärten

Für mehr oder weniger Kunstinteressierte gleichermaßen reizvoll ist ein Spaziergang entlang des Museumsufers: Schließlich ist die Route auf der Südseite des Mains gespickt mit architektonischen Entdeckungen. Florian Schütz findet hier zwischendurch Entspannung im Park des Museum Angewandte Kunst. Außerdem ist das Museumsufer gleich zweimal im Jahr beliebter Festival-Schauplatz: im Mai zur Nacht der Museen und im August zum Museumsuferfest. „Das multikulturelle Festival ist ein fester Termin im Kalender aller Frankfurter“, erklärt Florian Schütz. Dort präsentieren sich an hunderten Ständen Länder aus der ganzen Welt.

Vom Museumsufer aus ist der südliche Stadtteil Sachsenhausen fußläufig zu erreichen. Hier gibt es neben den traditionellen Apfelweinlokalen zahlreiche lokal geführte Restaurants, Bars und Geschäfte. Allen Whisky-Liebhabern empfiehlt Florian Schütz hier das Whisky for Life in der Fahrgasse. Hier bietet Inhaber Frank Jerger schottische Whiskys aus der ganzen Welt an, außerdem Raritäten und Vintage-Abfüllungen aus der ganzen Welt. Wer sich lieber durch die Welt des Craft Beers probiert, ist in der Altstadt Frankfurts gut aufgehoben, genauer im Naïv. Die Kombination aus Restaurant und Bar veranstaltet auch Craft-Beer-Tastings – perfekt für einen Männerabend, findet Florian Schütz.

Frischluft tankt er am Wochenende oder nach Feierabend in den zahlreichen Grünanlagen der Stadt. Ein typisch Frankfurter Hotspot ist neben dem bekannten Palmengarten der Bethmannpark im Nordend mit seinem Chinesischen Garten. Der Park war früher der Garten der gleichnamigen Bankiersfamilie, heute ist er öffentlich zugänglich. Diese grüne Oase im Nordend wird durch dicke Mauern vom Großstadttrubel abgeschirmt. Um die Ecke gibt es mit dem Bizziice außerdem das laut Florian Schütz beste Eis der Stadt. Nach eigenen Rezepten und mit handverlesenen Zutaten in Bio-Qualität stellt der Familienbetrieb sein Eis selbst her. Neben Vanille und Schoko gibt es ausgefallene Sorten wie Green Smoothie oder Mandel-Kardamom.

Lili’s Roof Garden ©Peter Krausgrill
Am Abend: Sundowner mit Skylineblick

Nach einem Tag im Großstadtdschungel genießt man den Sonnenuntergang direkt neben der Alten Oper und mit Blick auf die Skyline. Das Team der Lobbybar Lili’s serviert in Lili’s Roof Garden auf dem Dach des Sofitel täglich bei schönem Wetter ab 18 Uhr Cocktails und Champagner. Eigentlich gehört diese schönste Dachterrasse der Stadt zur Präsidentensuite des Hotels; diesen Sommer verwandelt sie sich in eine Pop-Up-Bar – der perfekte Ort für die letzten Stunden in Frankfurt.

Verlängerung im Rheingau – Tag 3

Wenn Florian Schütz für einen Tag abschalten möchte, fährt er den kurzen Weg mit dem Zug ins Rheingau. Bereits auf der Fahrt entlang des Rheins entspannt er mit Ausblick auf Fluss und Weinberge. Nach circa einer Stunde ist man mitten im benachbarten Weinbaugebiet, das zu den größten und schönsten ganz Deutschlands gehört. Direkt am Rhein in Oestrich-Winkel liegt das Weingut Allendorf. Von hier kommt der exklusive Goethewein, den Gäste im Restaurant Schönemann genießen können. Die Rieslingtrauben wachsen hier rund um das Brentanohaus: Dieses 1751 im Ortskern von Winkel erbaute Anwesen war Sommerresidenz der Familie Brentano und deren Freunden. Dazu gehörte auch Johann Wolfang von Goethe. Sein ehemaliges Schlafzimmer ist noch original erhalten.

Der Höhepunkt des Kultursommers in der Region ist das Rheingau Musikfestival, das an verschiedenen Plätzen vor den Toren und in der City Frankfurts stattfindet. Jedes Jahr sind hier hochkarätige Musiker aus Deutschland und der ganzen Welt zu Gast. 2019 findet das Festival vom 22. Juni bis zum 31. August statt und begrüßt unter anderem die Jazzrausch Bigband, den belgischen Pop-Sänger Milow, die kubanische Jazz-Pianistin Marialy Pacheco und den deutschen Singer-Songwriter Johannes Oerding.